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„Warum suchen Sie schon so lange nach einer Anstellung?“

Veröffentlicht am 4.05.2014 21:46h

Wer nach einem Examen oder einer Kündigung den ersten bzw. einen neuen Job sucht, muss aufpassen, dass die Zeit nicht davon läuft. Denn natürlich machen sich die Personalbeschaffer ihren Reim darauf, wenn jemand noch Monate nach dem Studienabschluss oder einem Auflösungsvertrag auf der Suche nach einer Anstellung ist. 

Die Zeitspanne muss nicht automatisch gegen den Bewerber sprechen, ruft aber oft doch Zweifel an der Eignung des Bewerbers hervor. Dabei spricht grundsätzlich nichts dagegen, wenn sich jemand nach einer Zäsur im persönlichen oder beruflichen Werdegang eine Auszeit nimmt. Aber die Begründung muss glaubwürdig sein.

Versetzen Sie sich nun einmal in die Rolle eines Personalers, der die folgenden Antworten zu hören bekommt.

Bewerber A

„Nach dem Examen war ich über die Organisation ‚Work and Travel’ mehrere Monate in Australien. Sie haben das ja in meinem tabellarischen Lebenslauf gelesen. Ich habe da tolle Erfahrungen sammeln können. Nach meiner Rückkehr musste ich dann leider feststellen, dass die Jobsuche gar nicht so einfach ist. Schließlich will ich ja nicht nur unter kommen, sondern ich suche eine Aufgabe, die meinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht.“

Bewertung

Akzeptiert!

Bewerber B

„Ich war einige Male ganz nah dran und dann wurde die Stelle jemandem gegeben, der persönliche Kontakte im Unternehmen hatte. Das habe ich über Umwege erfahren.“

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Es kommt gar nicht gut an, wenn die Gründe für Misserfolge woanders gesucht werden – also nicht in der eigenen Person. Und der Hinweis auf dubiose „Umwege“ ist auch nicht glücklich. Natürlich spielen „Connections“ bei der Jobvergabe manchmal eine Rolle, aber mit Mutmaßungen darf man als Bewerber im Vorstellungsgespräch niemals hantieren.

Bewerber C

„Na ja – einige Mal war ich wohl bis zum Schluss im Rennen und manchmal stimmten auch die Konditionen nicht. Ich suche ja auch nicht irgendeinen Job. Ich lasse mich jedenfalls von den Umständen nicht unter Druck setzen – dann trifft man nur eine falsche Entscheidung. Dabei spielt für mich inzwischen das Gehalt nicht mehr die entscheidende Rolle – aber inhaltlich muss die Aufgabe stimmen.“

Bewertung

Diese Argumentation geht durchaus in Ordnung.

Im Vorstellungsgespräch proaktiv handeln

Bewerber, die nach Abschluss des Examens bzw. nach Beendigung des letzten Arbeitsverhältnisses bereits überdurchschnittlich lange auf der Suche sind, sollten diesen Umstand möglichst von sich aus ansprechen: „Wie Sie meinen Unterlagen entnommen haben, suche ich bereits seit Längerem nach einer angemessenen Aufgabe. Ich denke es liegt daran, dass ... .“

Es ist besser, in die Offensive zu gehen, als später auf eine prekäre Frage nur noch defensiv reagieren zu können.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: 101 Fragen und Anworten im Vorstellungsgespräch. Haufe Verlag 2014, Kindle Book

 
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