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„Nun schießen Sie ’mal los!“ – oder: Die Selbstdarstellung vor der Auswahlkommission der Polizei

Veröffentlicht am 1.06.2014 13:52h

Wer macht seine Sache bei dieser Bewährungsprobe des Auswahlverfahrens gut und wer weniger gut?

Bewerber A

„Tja – wo fange ich am besten an? Also – ich bin 20 Jahre alt, habe noch zwei ältere Brüder und bin in einem kleinen Dorf bei Winsen aufgewachsen. Meine Eltern hatten – und haben immer noch – eine kleine Bäckerei in meinem Geburtsort, in dem ich übrigens auch die Grundschule besucht habe. Später bin ich dann aufs Gymnasium gewechselt, obwohl meine Eltern sich sehr gewünscht hätten, dass ich einmal die Bäckerei übernehme. Meine großen Brüder hatten keine Lust dazu und so war ich die letzte Hoffnung. Sie müssen wissen, dass wir diese Bäckerei bereits in der dritten Generation betreiben. (...).“

Bewertung

„Aufhören!“ möchte man dem Bewerber spätestens an dieser Stelle zurufen. Diagnose: „Verbale Diarrhöe“. Viele Bewerber äußern sich nicht strukturiert, sondern liefern einen Informationsbrei ab. Das ist nicht gut.

Bewerber B

„Nun – meine persönlichen Daten kennen Sie ja. Natürlich bin ich stolz darauf, dass ich über den zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt habe. War nicht einfach – hat sich aber gelohnt. Meinen Eltern bin ich sehr dankbar dafür, dass sie mir in dieser Zeit den Rücken freigehalten haben. Eigentlich wollte ich mit dem Abitur nur zeigen, dass ich mir Ziele setzen und diese auch erreichen kann – und natürlich wollte ich meine Berufschancen verbessern. Da ich vom Typ her belastbar bin, gern Verantwortung übernehme und im Team arbeite, sehe ich meine berufliche Zukunft bei der Polizei. Und natürlich hoffe ich, dass ich hinsichtlich meines Berufswunsches heute einen Schritt weiter komme und den Polizeitest bestehe.“

Bewertung

Der Bewerber kommt schnell auf den Punkt. Er beginnt mit den Stärken im Werdegang – den erfolgreich absolvierten zweiten Bildungsweg – und hat damit die Prioritäten sofort richtig gesetzt! Er zeigt Zielorientierung, Lernbereitschaft und Beharrlichkeit! Das sind alles Schlüsselqualifikationen, die bei der Polizei gebraucht werden. Passt!

Grundsätze einer kompetenten Selbstdarstellung im Vorstellungsgespräch

  • Nicht fragen, wo oder wie man anfangen soll bzw. wie viel Zeit zur Verfügung steht. Die Anforderung liegt ja gerade darin, dies gekonnt selbst zu entscheiden.
  • Die Wiederholung des bereits schriftlich vorliegenden tabellarischen Lebenslaufes ist öde und auch nicht Sinn dieser Übung. Die meisten formellen Daten haben in der mündlichen Selbstdarstellung nichts zu suchen.
  • So können Sie anfangen: „Wie Sie meinen Unterlagen entnommen haben, habe ich nach der Schule eine Ausbildung zum ... .“
  • Gehen Sie auf jene Stationen Ihres Werdeganges ein, die sich in Beziehung zur konkreten Bewerbung setzen lassen. Das kann ein Ausbildungsabschluss, eine Fortbildungsmaßnahme oder auch ein Praktikum sein. Viele Bewerber erinnern an einen Gemischtwarenladen, in dem man sich nach Belieben bedienen kann. Das ist wenig Erfolg versprechend.
  • Wer – in Wort oder Schrift – überzeugen will, muss einem roten Faden folgen und diesen für seine Adressaten sichtbar werden lassen. Alles andere stiftet Verwirrung und wirkt inkompetent.
  • Wer während der Selbstdarstellung das Zeitgefühl verliert, muss damit rechnen, vom Gesprächspartner unterbrochen zu werden. Um es hart zu formulieren: Die Initiative, die dem Bewerber übergeben wurde, wird ihm abrupt wieder weggenommen, weil er diese missbraucht hat. Auf die Gesprächsatmosphäre wirkt sich dies eher ungünstig aus.
  • Zum Ende Ihrer Selbstdarstellung müssen Sie die Kurve zur Polizei und zum Polizeiberuf kriegen. Leiten Sie aus Ihrem Werdegang und Ihrer Persönlichkeit Gründe ab, die sie für die angestrebte Laufbahn empfehlen. Etwa: „ ... und deshalb denke ich, dass die Ausbildung bei der Polizei und damit der anstrebte Beruf des Polizisten für mich genau richtig ist.“

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

 
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