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Hintergrundwissen zum Polizeiberuf und zum Auswahlverfahren und Eignungstest für Bewerber bei der Polizei

Wer als Bewerber bei der Polizei gut ankommen will, muss gut drauf sein

Spätestens seit Boris Becker wissen wir, dass man nicht nur körperlich, sondern vor allem auch psychisch fit sein muss, wenn man vorankommen möchte. Wie begründete der Tennisstar doch seine Siege? „Ich war mental gut drauf!“ Aber das gilt natürlich für jede sportliche Höchstleistung und das gilt auch für den Einstieg in den gewünschten Beruf und die weitere erfolgreiche Laufbahn. Die richtige Haltung ist die halbe Miete.

Bei der Polizei gibt es Funktionsprofile, die ein sehr hohes Maß an körperlicher und seelischer Belastbarkeit und geistiger Wachheit verlangen. Schließlich geht es um Bewährungssituationen, die in Büros, Autowerkstätten und Industriebetrieben so nicht zu haben sind.

Was hat das nun mit der bereits im Einstellungsauswahlverfahren geforderten Fitness und intellektuellen Aufgewecktheit auf sich? Aus der Psychologie wissen wir, dass dies eine Frage der Veranlagung, aber ganz entscheidend auch eine des Trainings ist. Demosthenes hatte einen Sprachfehler und beseitigte diesen, indem er sich Kieselsteine auf die Zunge legte und gegen die Brandung des Meeres anredete. Er wurde zum größten Rhetoriker der griechischen Antike. Die farbige Amerikanerin Wilma Rudolph war durch eine schwere Kinderlähmung behindert und siegte dennoch bei den Olympischen Spielen 1960 in allen drei Kurzstreckendisziplinen. Kurzum: Wer mit weichen Knien und feuchten Händen in eine Bewerbungssituation geht und dann auch noch durchfällt, ist meist schlecht vorbereitet.

Denken Sie aber auch daran, dass die sturen „Testknechte“ das Rennen nicht machen. Natürlich müssen Sie die Tests bestehen – punkten werden Sie aber vor allem, wenn Sie sich gut informiert zeigen und als Persönlichkeit überzeugen. Ja – der Erfolg beginnt im Kopf.

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014


Berufsverständnis des Polizisten: Spezialisten für Grenzsituationen

„Was machen Sie eigentlich?“ Wenn Menschen einander kennenlernen, wird oft diese Frage gestellt und dann liefern die Adressaten meist eine Berufsbezeichnung ab oder benennen die Organisation, der sie angehören: „Ich bin Mechatroniker.“ – „Ich arbeite als Produkt Manager.“ – Oder: „Ich bin bei der Polizei.“ Den meisten Berufsinhabern fällt es schwer, ihr Tun sprachlich auf den Punkt zu bringen. Was also machen eigentlich Polizeibeamte? Hier eine Beschreibung von Professor Dr. Rafael Behr, Kriminologe und Soziologe an der Hochschule der Polizei Hamburg:

„Polizeibeamte und -beamtinnen sind Spezialisten, wenn es darum geht, vor Gefahren zu schützen und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kriminalität zu bekämpfen, Gefahren abzuwehren und den Frieden zu sichern. Sie verteidigen eine pluralistische Gesellschaft mit einer Rechtsordnung, die dem Staat und dem Bürger Grenzen setzt.“

Nach dieser Definition können angehende Polizeibeamte ihr berufliches Selbstverständnis im Bewerbungsgespräch wie folgt darstellen:

„Wir verstehen uns als Spezialisten ....

... für die Anerkennung und Durchsetzung des Gesetzes.
... für die Bewältigung und Abwehr von Gefahrensituationen.
... für den Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen.
... für Grenzsituationen aller Art.
... für eine weitgehende Befriedung (Pazifizierung) der Gesellschaft.“

Damit haben Sie als Bewerber bzw. Bewerberin einige wertvolle Anhaltpunkte für ein erwünschtes und notwendiges Berufsverständnis und den damit verbundenen Anforderungen – und können sich dem entsprechend im Vorstellungsgespräch profilieren. Wer sich gut vorbereitet zeigt, bekommt zu Recht Pluspunkte.

Und bei der Gelegenheit noch ein kleiner Motivationsschub. Das Bild der Polizei hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend positiv verändert. Das Wort „Bulle“ ist aus der Mode gekommen. Und wenn Kinder – wie der Volksmund meint – die Wahrheit sagen, dann wird sich dieser Trend zukünftig verstärkt fortsetzen.

Das Marktforschungsinstitut icon-kids & youth (München) hat 2009 im Auftrag des Apothekenmagazins „medizini“ Sechs- bis Zwölfjährige nach ihrem Traumberuf gefragt. Hier das Ergebnis:

1. Fußballer/Tierärztin                           17,3 / 19,8 %
2. Polizist/Lehrerin                                10,0 / 9,3 %
3. Pilot/Ärztin                                       7,8 / 8,4 %
4. Feuerwehrmann/Sängerin                    6,3 / 7,5 %
5. Ingenieur/Krankenschwester                4,9 / 6,0 %
6. Forscher + Kfz-Mech./Kindergärtnerin    3,2 / 3,6 %
7. -/Schauspielerin                                  - / 3,3 %
8. Lehrer/Model                                      2,9 / 3,0 %
9. Arzt + Profisportler/Tierpflegerin           2,3 / 2,4 %
10. -/Polizistin                                        - / 2,1 %

Und wie sehen die Befragungsergebnisse aus, wenn die Kinder größer geworden sind? Hier das „Trendence Schülerbarometer 2013“ vom Trendence Institut in Berlin.

2013 wurden über 10.000 abschlussnahe Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13 zum Thema berufliche Zukunft sowie über die für sie attraktivsten Arbeitgeber befragt. Ein Resultat: „Polizei bleibt Wunscharbeitgeber. (...). Somit konnte sich auch in diesem Jahr die Polizei (12,1%) an der Spitze der Rangliste der Top-Arbeitgeber Deutschlands platzieren, dicht gefolgt von der ProSiebenSat.1 Media AG und der Bundeswehr (8,7%).“ 

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014


Die Eignungsauswahlverfahren (EAV) der einzelnen Länderpolizeien

Da es in unserem föderalen Staat 16 Länderpolizeibehörden gibt, gibt es auch 16 Eignungsauswahlverfahren für Bewerber. Die grundsätzlichen Anforderungen sind aber überall gleich. Zukünftige Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte

  • müssen die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen,
  • eine gute Allgemeinbildung besitzen,
  • eine hohe intellektuelle Leistungsfähigkeit mitbringen,
  • sich konzentrieren und etwas merken können,
  • mental und körperlich (Sportleistungstest!) fit sein und
  • vom Erscheinungsbild und (Sozial)Verhalten her zum Polizeiberuf passen.

Dennoch: Wer seine berufliche Zukunft bei der Polizei und dem Polizeivollzugsdienst sucht, muss sich mit den länderspezifischen Auswahlverfahren vertraut machen und sich auf diese vorbereiten.

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014


Testen Sie Ihr Wissen über die Polizei

Je mehr Hintergrundwissen Sie als Bewerber bzw. Bewerberin über die Polizei haben, umso sicherer und überzeugender werden Sie im Vorstellungsinterview, in Präsentationen und Gruppendiskussionen agieren. Fragen wie „Warum wollen Sie zur Polizei?“ oder „Was wissen Sie über die Polizei?“ können Sie dann locker abfedern. Machen Sie also bei diesem Test einfach ’mal mit.

Wo stimmen Sie zu bzw. welches ist die beste Antwort? Bitte markieren Sie jeweils nur ein Kästchen.

1.   Wie viele Landespolizeien gibt es in der Bundesrepublik Deutschland?

a.    16
b.    14
c.    1

2.    Der oberste Dienstherr der Landespolizei ist

a.    der Polizeipräsident.
b.    der Landesinnenminister bzw. Innensenator.
c.    der Bundesinnenminister.

3.    Die Polizei ist ein

a.     Legislativorgan des Staates.
b.     Exekutivorgan des Staates.
c.     Judikativorgan des Staates.

4.    Die Landespolizeien besitzen

a.     einen Kombattantenstatus.
b.     einen eingeschränkten Kombattantenstatus.
c.     keinen Kombattantenstatus.

5.    Wortgeschichtlich leitet sich „Polizei“ ab von

a.     Police, also einem Vertrag.
b.     Griechisch „Pontus“, auf Deutsch „Brücke“.
c.     Griechisch „Polis“, auf Deutsch „Stadt“ oder „Staat“.

6.    Woher stammt das Wort „Bulle“?

a.     Vom oft aggressiven Verhalten der Polizeibeamten.
b.     Aus dem niederländischen „Bol“, was soviel wie „Kopf“, „kluger Mensch“ bedeutet.
c.     Von der Sturheit vieler Polizeibeamter.

7.    Die Tätigkeit der Polizei

a.     kann präventiven und repressiven Charakter haben.
b.     hat nur präventiven Charakter.
c.     hat immer repressiven Charakter.

8.    Die Vollzugspolizei ist der Teil der Polizei, der

a.     für schnelles Handeln verantwortlich ist.
b.     von der Schusswaffe Gebrauch macht.
c.     den Hauptteil der Gefahrenabwehr vornimmt.

9.    Typisch für den Polizeivollzugsdienst ist die Zuständigkeit für Situationen, in denen

a.     von der Schusswaffe Gebrauch gemacht wird.
b.     Rechtsbrecher verhaftet werden.
c.     sofort gehandelt werden muss.

10.  Welche Aufgabenbeschreibung ist richtig und vollständig? Die Wasserschutzpolizei (WaPo) ist zuständig für

a.     schifffahrtsbezogene Kriminalitätsvorbeugung.
b.     schifffahrtsbezogene Kriminalitätsvorbeugung, Verkehrssicherheit auf dem Wasser und Umweltschutz.
c.     schifffahrtsbezogene Kriminalitätsvorbeugung und Verkehrssicherheit auf dem Wasser.

11.  Die Bereitschaftspolizei (BePo) unterstützt den polizeilichen Einzeldienst unter anderem bei

a.     der Grenzkontrolle und dem Objektschutz.
b.     der Straßenverkehrsüberwachung.
c.     Naturkatastrophen und dem Objektschutz.

12.  Die Kriminalpolizei ist

a.     auf die Prävention und Verfolgung von Verbrechen und Vergehen spezialisiert.
b.     auf die Prävention und Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten spezialisiert.
c.     ist auf die Ahndung von Vergehen und Verbrechen spezialisiert.

13. Der Polizeiberuf hat viele Gesichter und bietet deshalb auch viele Möglichkeiten zur Spezialisierung. Das MEK (Mobiles Einsatzkommando) beispielsweise ist insbesondere zuständig für

a.    die Befreiung von Geiseln.
b.    die verdeckte Observation (potenziell) besonders gefährlicher Straftäter und den mobilen Zugriff.
c.    die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Geldwäsche.

14.  Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, treten MEK-Beamte

a.     sowohl in „voller Kampfmontur“ als auch „in Zivil“ auf.
b.     grundsätzlich in „voller Kampfmontur“ auf.
c.     aus taktischen Gründen immer „in Zivil“ auf.

15.  Alle Bundesländer verfügen über Spezialeinsatzkommandos (SEK). Ihre Tätigkeit besteht vorrangig in

a.    Geiselbefreiungen.
b.    Zugriffs- und Schutzmaßnahmen (meist aus einer mobilen Lage heraus).
c.    Zugriffs- und Schutzmaßnahmen (meist aus einer statischen Lage heraus).

16.  Für eine Bewerbung beim SEK sollte man neben Flexibilität, Einfallsreichtum, Kreativität, körperlicher und mentaler Belastbarkeit vor allem noch die folgende Eigenschaft mitbringen:

a.     Führungsfähigkeit.
b.     Wahrnehmungsfähigkeit.
c.     Organisationstalent.

17.  In den Landeskriminalämtern

a.     bündelt sich die kriminalistische Kompetenz eines Bundeslandes.
b.     findet die nationale Verbrechensbekämpfung statt.
c.     geht es immer um Mord und Totschlag.

18.  Was ist ein daktyloskopisches Gutachten?

a.     Die Beschreibung und Analyse einer Handschriftenprobe.
b.     Eine besondere Profiling-Methode.
c.     Beschreibung individueller Besonderheiten von Fingerabdrücken zwecks besserer Identifikation einer Person.

19.  Der Polizeiberuf fordert die folgenden Eigenschaften in besonders hohem Ausmaß:

a.     Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Teamfähigkeit und Identifikation mit den gesetzlichen und gesellschaftlichen Regeln
        unseres Landes.
b.     Kritikfähigkeit, Innovationsfähigkeit und Belastbarkeit.
c.     Anpassungsfähigkeit, Selbstlosigkeit und unbedingte Loyalität.

20.  Was bedeutet für Sie eine Uniform?

a.     Man wird respektiert.
b.     Man flößt anderen ein wenig Angst ein.
c.     Man vermittelt dem Bürger ein Gefühl der Sicherheit.

21.  Welche Bezeichnung kommt dem Polizeiberuf sinngemäß am nächsten?

a.    Security Manager.
b.    Terminator.
c.     Sozialarbeiter.

22.  Worauf kommt es bei der Sportprüfung ganz besonders an?

a.     Körperkraft und Sprintfähigkeit.
b.     Ausdauer und allgemeine Fitness.
c.     Koordination von Bewegungsmustern und Teamfähigkeit.

23.  Der gesamte Dienstbetrieb der Ausbildung wird

a.     in den meisten Bundesländern in Uniform durchgeführt.
b.     nur bei der Bundespolizei in Uniform durchgeführt.
c.     in allen Bundesländern in Uniform durchgeführt.

24.  Dürfen Nachwuchs-Polizisten einen Migrationshintergrund haben?

a.     Ja – wenn sie ihre Wurzeln in Europa haben.
b.     Grundsätzlich nicht.
c.     Grundsätzlich ja.

25.  Die Zahl der Polizisten in Deutschland beläuft sich auf

a.     ca. 160.000.
b.     gut 260.000.
c.     fast 360.000.

Auflösung

Hier muss das Kreuzchen stehen, um einen Punkt zu erhalten:

1.   a       2.   b         3.   b       4.   c        5.   c       6.   b        7.   a       8.   c        9.   c        10.   b

11. c       12. a         13. b       14. a       15.  c       16. b        17. a       18.  c       19. a        20.   c

21. a       22. b         23. c       24. c       25.   b

Empfehlung

Sie haben weniger als 10 Punkte erreicht? Füllen Sie die Wissenslücken unbedingt auf, ehe Sie am Eignungstest der Poizei teilnehmen. Sie müssen im Einstellungsgespräch möglichst viel über Ihren zukünftigen Arbeitgeber und das Berufsbild des Polizisten wissen.

Erläuterungen zum Test "Ihr Wissen über die Polizei"

1.   Wie viele Landespolizeien gibt es in der Bundesrepublik Deutschland? x 16 (x=hier war das Kreuz zu setzen)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Polizei durchgängig Ländersache. Also: 16 Bundesländer = 16 Länderpolizeien. Jedes Bundesland hat sein eigenes Polizeigesetz und – das ist besonders augenfällig – eine eigene Polizeiuniform. Zu den 16 Landespolizeibehörden kommen dann noch zwei Bundesbehörden – nämlich die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden.

2.  Der oberste Dienstherr der Landespolizei ist der x Landesinnenminister bzw. Innensenator (Stadtstaaten).

Dies folgt aus der obigen Erläuterung.

3.   Die Polizei ist ein x Exekutivorgan des Staates.

Ohne das Prinzip der Gewaltenteilung in Gesetzgebung (Legislative), Vollziehung (Exekutive) und Rechtsprechung (Judikative) ist eine Demokratie nicht denkbar. Die Idee einer Verteilung der Staatsgewalt geht unter anderem auf den französischen Staatstheoretiker Montesquieu (Mitte des 18. Jahrhunderts) zurück.

4.   Die Landespolizeien besitzen x keinen Kombattantenstatus.

Kombattanten sind laut Rechtsprechung in erster Linie die Angehörigen der regulären Streitkräfte eines Staates. Die Konfliktparteien sind vertraglich verpflichtet, ihre Kombattanten äußerlich von der Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Dies bedeutet das Tragen der Uniform der eigenen Streitkräfte.

In Deutschland verfügen folglich die Soldaten der Bundeswehr über einen Kombattantenstatus. Dies galt übrigens bis 1994 auch für den Bundesgrenzschutz, aus dem 2005 die Bundespolizei hervorging.

5.   Wortgeschichtlich leitet sich „Polizei“ ab von x  Griechisch „Polis“, auf Deutsch „Stadt“ oder „Staat“.

Verwandte Wörter: Metropole, Politik, Kosmopolit (Weltbürger).

6.   Woher stammt das Wort „Bulle“? x Aus dem niederländischen „Bol“, was soviel wie „Kopf“, „kluger Mensch“ bedeutet.

Im 18. Jahrhundert hießen die Vorgänger unser Polizei „Landpuller“ oder auch „Bohler“. Es ist nicht bekannt, wann der „Bulle“ zum Schimpfwort wurde. Der Begriff „Bulle“ stand früher auch für „päpstliche Verordnung“.

7.   Die Tätigkeit der Polizei x kann präventiven und repressiven Charakter haben.

Die Gefahrenabwehr hat natürlich präventiven Charakter. Daneben werden Polizisten gemäß § 152 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) in Verbindung mit der jeweiligen Landesverordnung als Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Straftätern und Aufklärung von Straftaten tätig. In dieser Funktion können bestimmte Anordnungen nach der Strafprozessordnung (wie z. B. eine Beschlagnahme oder Durchsuchung) angeordnet und durchgeführt werden. Es handelt sich also um eine Strafverfolgung, die repressiven Charakter hat. Da die Staatsanwaltschaften keine eigenen ausführenden Organe haben und deshalb "Kopf ohne Hände" sind, wird die Strafverfolgung – insbesondere bei Gefahr im Verzug – von den zuständigen Polizeien durchgeführt.

8.   Die Vollzugspolizei ist der Teil der Polizei, der x den Hauptteil der Gefahrenabwehr vornimmt. Das sind vor allem die

  • Schutzpolizei (SchuPo),
  • Kriminalpolizei (KriPo),
  • Bereitschaftspolizei (BePo)
  • Wasserschutzpolizei (WaPo).

Anmerkung: Den Begriff der "Vollzugspolizei" gibt es z. B. nicht in Schleswig-Holstein.

9.   Typisch für den Polizeivollzugsdienst ist die Zuständigkeit für Situationen, in denen x sofort gehandelt werden muss.

Da das sofortige Handeln oft einen Eingriff in die Freiheitsrechte anderer bedeutet, sind persönliche Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Urteilsvermögen und seelische Belastbarkeit im Polizeiberuf unverzichtbar.

10. Welche Aufgabenbeschreibung ist richtig und vollständig?

Die Wasserschutzpolizei (WaPo) ist zuständig für x schifffahrtsbezogene Kriminalitätsvorbeugung, Verkehrssicherheit auf dem Wasser und Umweltschutz. Der Dienst bei der Wasserschutzpolizei gehört zu einer von diversen Spezialisierungsmöglichkeiten nach der Ausbildung.

11. Die Bereitschaftspolizei (BePo) unterstützt den polizeilichen Einzeldienst unter anderem bei x Naturkatastrophen und dem Objektschutz.

Unterstützend wirkt die Bereitschaftspolizei  aus gegebenem Anlass auch bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen, Konzerten und Demonstrationen mit.

12. Die Kriminalpolizei ist x auf die Prävention und Verfolgung von Verbrechen und Vergehen spezialisiert.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Kriminalpolizei jener Teil der Polizei, der sich ausschließlich mit der Verfolgung von Straftaten und ihrer Verhütung befasst. Ihre Angehörigen versehen ihren Dienst in Zivilkleidung.

13. Der Polizeiberuf hat viele Gesichter und bietet deshalb auch viele Möglichkeiten zur Spezialisierung.

Das MEK (Mobiles Einsatzkommando) beispielsweise ist insbesondere zuständig für x  die verdeckte Observation (potenziell) besonders gefährlicher Straftäter und den mobilen Zugriff.

Nach der dramatischen und katastrophal beendeten Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen anlässlich der Olympischen Spiele in München beschloss die Innenministerkonferenz im Jahre 1974 die Gründung von Mobilen Einsatzkommandos.

Es handelt sich um lokale Spezialeinheiten der Länderpolizeien. Die Mitarbeiter eines MEK sind überwiegend Kriminalbeamte und haben eine anspruchsvolle Spezialausbildung absolviert.

14. Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, treten MEK-Beamte x sowohl in „voller Kampfmontur“ als auch „in Zivil“ auf.

Zu den wichtigen Aufgaben eines MEK gehört die verdeckte Observation von potenziellen Straftätern. In diesen Fällen ist das Tragen einer Uniform wenig sinnvoll.

15. Alle Bundesländer verfügen über Spezialeinsatzkommandos (SEK). Ihre Tätigkeit besteht vorrangig in x Zugriffs- und Schutzmaß- nahmen (meist aus einer statischen Lage heraus).

Der Einstellungsberater und Kommissar Jens Heidenfeldt von der Thüringer Polizei bringt den grundsätzlichen Unterschied von MEK und SEK recht anschaulich auf den Punkt: „Das MEK findet die einzutretende Tür und das SEK tritt sie dann ein.“ In der Regel sind aber die Beamten von MEK und SEK fähig, beide Lagen zu bewältigen. In Hamburg werden die Aufgaben von SEK und MEK beispielsweise von so genannten integrierten Gruppen ausgeübt.

16. Für eine Bewerbung beim SEK sollte man neben Flexibilität, Einfallsreichtum, Kreativität, körperlicher und mentaler Belastbarkeit vor allem noch die folgende Eigenschaft mitbringen: x Wahrnehmungsfähigkeit.

Bei Einsätzen des SEK geht es nicht selten um Leben und Tod. Eine kleine Unaufmerksamkeit oder das Übersehen einer Gefahrenquelle kann böse Folgen haben.

17. In den Landeskriminalämtern x bündelt sich die kriminalistische Kompetenz eines Bundeslandes.

Die Mehrzahl der Bürger kennt Kriminalbeamte und deren Tätigkeit nur aus Film und Fernsehen. Aber was versteht man konkret unter Kriminalistik? Kriminalistik ist die Lehre von den Mitteln und Methoden der Bekämpfung einzelner Straftaten und des Verbrechertums durch vorbeugende (präventive) und strafverfolgende (repressive) Maßnahmen.

18. Was ist ein daktyloskopisches Gutachten? x Beschreibung individueller Besonderheiten von Fingerabdrücken zwecks besserer Identifikation einer Person.

Aus der Münchner Wochenend Zeitung: „Ein Einbruch in eine Moosacher Gaststätte Anfang September konnte nun geklärt werden. Der zunächst unbekannte Täter stieg über das Toilettenfenster in das Lokal in der Bunzlauer Straße ein und entwendete insgesamt 1.500 Euro Bargeld. Beamte der Spurensicherung konnten am Rahmen des Toilettenfensters Fingerspuren sichern, die über ein daktyloskopisches Gutachten einem 32-Jährigen in München lebenden Italiener zugeordnet werden konnten. Zivile Beamte der Polizeiinspektion 44 (Moosach) konnten den Italiener an seiner Wohnadresse in Moosach vorläufig festnehmen.“

19. Der Polizeiberuf fordert die folgenden Eigenschaften in besonders hohem Ausmaß: x Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Team- fähigkeit und Identifikation mit den gesetzlichen und gesellschaftlichen Regeln unseres Landes.

Ein konkretes Beispiel: Die Entscheidung, unter Berücksichtigung der Umstände, der Verhältnismäßigkeit und der einschlägigen Gesetze von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, stellt hohe Anforderungen an die Persönlichkeit des Polizeibeamten.

20. Was bedeutet für Sie eine Uniform? x Dem Bürger ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

Aus taktischen Gründen kann es allerdings sinnvoll sein, im Dienst keine Uniform zu tragen – zum Beispiel als Zivilfahnder.

21. Welche Bezeichnung kommt dem Polizeiberuf sinngemäß am nächsten? x Security Manager.

Die Polizei ist ein Dienstleister und Garant für Sicherheit. Da diese Aufgaben aber einstweilen derart vielfältig sind, gibt es inzwischen diverse private Sicherheitsdienste, die von Security Managern organisiert und geführt werden.

22. Worauf kommt es bei der Sportprüfung ganz besonders an? x Ausdauer und allgemeine Fitness.

In Gesprächen mit Verantwortlichen der polizeilichen Auswahldienste bzw. Prüfungsämtern wurde deutlich, dass zu viele Bewerber/innen an der Sportprüfung scheitern. Hauptgrund: Mangelnde Vorbereitung.

23. Der gesamte Dienstbetrieb der Ausbildung wird x in allen Bundesländern in Uniform durchgeführt.

Das versteht sich von selbst.

24. Dürfen Nachwuchs-Polizisten einen Migrationshintergrund haben? x Grundsätzlich ja.

Als im November 2009 in Hamburg „100 neue Freunde und Helfer“ vereidigt wurden, waren Nachwuchskräfte mit internationalen Wur-zeln aus Afghanistan, der Türkei, Kroatien, Portugal, Russland, Polen, Griechenland, der Ukraine, Malaysia und Frankreich dabei.

25. Die Zahl der Polizisten in Deutschland beläuft sich auf x gut 260.000.

Klarer Befund: Die Polizeien der Länder gehören unter den „Großunternehmen“ zu den größten. 

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014

Dienstgrade der Polizei Hamburg

„Die Polizei Hamburg untersteht der Behörde für Inneres und Sport (Innenbehörde) im Senat der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Polizei Hamburg hat als Exekutivorgan des Landes Hamburg im Rahmen des Polizeirechts den Auftrag der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.“ Quelle: Polizei Hamburg

Dienstgrade und die Abkürzungen

Polizeimeisteranwärter (PMA)

Polizeimeister (PM)

Polizeiobermeister (POM)

Polizeihauptmeister (PHM)

Polizeihauptmeister mit Zulage (PHM)

Polizeiratsanwärter (PRA)

Polizeirat (PR)

Polizeioberrat (POR)

Polizeidirekter (PD)

Ltd. Polizeidirektor (PD)

 Polizeikommissaranwärter (PKA)

Polizeikommissar (PK)

Polizeioberkommissar (POK)

Polizeihauptkommissar A 11 (PHK)

Polizeihauptkommissar A 12 (PHK)

Erster Polizeihauptkommissar (PHK)

Ltd. Polizeidirekter B2 (LPD)

Ltd. Polizeidirektor B 3 (LPD)

Polizeivizepräsident


Was Sie über psychologische Tests bzw. Auswahlverfahren der Polizei wissen sollten

Test! Für viele Jobaspiranten ist dies ein Schreckenswort und so sind sie denn auch eingestimmt, wenn sie zur Eignungsuntersuchung erscheinen – nämlich wie Delinquenten, an denen eine schmerzhafte Prozedur exekutiert werden soll. Nun gilt hier wie überall, dass, wenn man schon nicht Herr des Verfahrens sein kann, man zumindest wissen sollte, was da mit einem veranstaltet wird. Auf diese Weise bringt man sich psychologisch in eine bessere Ausgangsposition.

Wie gesagt: Wissen macht souverän. Bevor Sie also zum Einstellungstest der Polizei gehen, sollten Sie wissen, dass oft mit Wasser gekocht wird, wo man es gar nicht vermutet. Die folgenden Kriterien müssen psychologische Testverfahren – wie übrigens alle Messinstrumente – wenigstens halbwegs erfüllen, ob überhaupt brauchbar zu sein:

Tests müssen objektiv sein

Nehmen wir ein Maßband, mit dem man die Kragenweite ermitteln kann. Dieses Maßband erfüllt das Kriterium der Objektivität, wenn verschiedene Schneider damit bei einem bestimmten Kunden Maß nehmen und dabei jeweils derselbe Wert heraus kommt. Objektivität heißt, dass das Messergebnis unabhängig von der Person ist, die eine Messung durchführt.

Dies ist nicht selbstverständlich. Man denke an die Beurteilung von Deutschaufsätzen in der Schule. Auch hier wird ja „Maß“ genommen und eine Note ermittelt. Diverse Untersuchungen habe gezeigt, dass es da manchmal sehr subjektiv zugeht und ein und derselbe Aufsatz – je nach beurteilendem Lehrer – Noten von eins bis sechs erzielen kann.

In Sachen Objektivität haben psychologische Tests zweifellos ihre Stärke. Durchführung und Auswertung – oft computergestützt wie zum Beispiel bei der Polizei Niedersachsen – sind standardisiert und damit vom Diagnostiker weit gehend unabhängig. Der „Nasenfaktor“ (Sympathie oder Antipathie), der im Vorstellungsinterview gewiss manchmal den Ausschlag gibt, spielt bei psychologischen Eignungstests keine Rolle.

Tests müssen zuverlässig sein

Auch dieses Gütekriterium ist unverzichtbar, wenn ein Messinstrument brauchbar sein soll. Wenn man mit einem Zollstock die Größe eines Menschen ermittelt und diese Messung am nächsten Tag zur gleichen Zeit wiederholt, muss der gleiche Wert dabei herauskommen. Auch das ist nicht selbstverständlich, wenn man etwa an schriftliche oder mündliche Prüfungen denkt. Untersuchungen haben ergeben, dass Prüflinge nach der Bewährungssituation – wenn der Stress weg ist – mehr wissen, als vorher. Das Messresultat – also das Prüfungsergebnis – hängt manchmal gewiss auch davon ab, wie man die Nacht zuvor geschlafen hat. Die Einstellungsberater der Polizei raten deshalb, ausgeschlafen im doppelten Sinn des Wortes zum Auswahlverfahren zu erscheinen.

Psychotests können folglich niemals so zuverlässig (reliabel) wie ein Zollstock oder eine Waage sein. Bei vielen Verfahren zeigt eine Testwiederholung ein mehr oder weniger abweichendes Resultat. So liegt es beispielsweise auf der Hand, dass das Ergebnis von Intelligenz- oder Konzentrationstests durch die Tagesform beeinflusst wird. Der Proband mit dem besten Ergebnis muss also nicht zwingend der beste sein – vielleicht hat er im Vergleich zu seinen Mitbewerbern nur einen besonders guten Tag erwischt oder das Gemüt eines Schlachterhundes.

Tests müssen gültig sein

Wer sich auf eine Waage stellt und 70 Kilogramm abliest, kann sicher sein, dass es sich um eine Aussage über das Merkmal Körpergewicht handelt. Die meisten Messgeräte, die wir im Alltag verwenden – vom Thermometer über das Tachometer bis zum Barometer – sind gültig (valide). Wir können sicher sein, dass sie das messen, was sie zu messen beanspruchen.

Wird aber mit der Frage „Schlafen Sie schnell ein, wenn sie zu Bett gehen?“ tatsächlich eine Persönlichkeitseigenschaft wie etwa „emotionale Belastbarkeit“ gemessen? Und selbst wenn dies der Fall wäre: Antworten hier alle Testpersonen ehrlich? Wer als Bewerber offen seine Einschlafprobleme zugibt, verdient doch in Wirklichkeit einen Punkt für Naivität. Ob die Testantwort also etwas mit emotionaler Stabilität zu tun hat, bleibt offen. Wer schnell einschläft, könnte eventuell auch nur ein gleichgültiger Mensch sein.

Auf Tests muss man sich vorbereiten

„Blätter“ verhält sich zu „Laub“ wie „Gras“ zu ... ? Was ist richtig? „Blumen“, „Heu“ oder „Unkraut“? Natürlich wissen Sie die Antwort, aber die Aufgaben werden zunehmend schwieriger und da kann einem schnell die Zeit weglaufen. Und deshalb sollten Sie Leistungs- bzw. Intelligenztests üben. Schon aus dem einfachen Grund, weil Ihre Mitbewerber es in der Regel ja auch tun. Und dabei spielt es keine Rolle, ob Sie nun die Originalaufgaben kennen oder nicht. Entscheidend ist, die Konstruktionsprinzipien von Tests zu durchschauen und am Beispiel zu üben. Übrigens: Eine ganz wichtige Schlüsselqualifikation unserer Zeit ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf Bewährungssituationen angemessen vorzubereiten. Und solch eine Bewährungssituation ist nun einmal der Eignungstest bei der Polizei.

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014


Horrortest „Rechtschreibung“ im Auswahlverfahren der Polizei

Sind Sie ein „vielversprechender“ oder ein „viel versprechender“ Bewerber? Das müssen Sie unter anderem in einem Rechtschreibtest zeigen. Dieser Test ist vielen Kandidaten ein Gräuel – oder muss es Greuel heißen? Die Rechtschreibreform hat den Angstmacher unter den zeitgenössischen Auswahlverfahren für viele Kandidaten noch bedrohlicher gemacht.

Aber Orthografie (Orthographie) ist nun einmal wichtig, weil die Aufgaben bei Polizei viele schriftliche Kommunikationsaufgaben enthalten – und da müssen die Repräsentanten des Staates vorbildlich und in der Aussage eindeutig sein. Eine schludrige Sprache wirkt nicht gerade vertrauenerweckend. Oder ist „Vertrauen erweckend“ richtig? Nun – es geht beides. Der DUDEN als Autorität in Sachen Rechtschreibung empfiehlt die Schreibweise „vertrauenerweckend“.

Nehmen Sie den neuesten DUDEN zur Hand! Auch wenn es eine spannendere Lektüre gibt – lesen Sie das Kapitel „Rechtschreibung und Zeichensetzung“ im DUDEN und den Anhang „Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung“. Sie finden viele Beispiele und werden sich danach bei der Beurteilung der Schreibweise vieler Wörter sicherer fühlen.

Typisch für den Eignungstest bei der Polizei: Das Lückendiktat

Das Lückendiktat wird in der Regel am PC durchgeführt. Sie hören einen Text und müssen in der Ihnen vorliegenden Variante (ca. eine Seite) die entsprechenden Lücken ausfüllen. Etwa so:

„Mit Witzen ist nicht immer zu __________ (spaßen? spassen?). Sagt der Malermeister zu seinem Auszubildenden: ‚Mir ist __________ (Angst? angst?), __________ (das? dass?) wir nicht bis __________ (Dienstag Abend? Dienstagabend?) fertig werden. Streich’ bitte die Fenster. Du musst jetzt __________ (schnell machen? schnellmachen?) – und gib mir __________ (bescheid? Bescheid?), wenn Du fertig bist.’

Nach zwei Stunden überaus __________ (engagierter? engagirter?) Arbeit fragt der Lehrling seinen Chef, ob er die __________ (Festerrahmen? Fensterramen?) auch noch streichen solle.

Aus diesem __________ (Vorkommnis? Vorkommniß? Vorkomniss?) lässt sich das __________ (folgende? Folgende?) ableiten: Die Sprache __________ (läd? lädt? lätd?) geradezu zu __________ (Missverständnissen? Mißverständnißen? Misverständnissen?) ein, weil sie nicht so __________ (exakt? eksakt? exackt?) wie die __________ (Matemathik? Mathematik?) sein kann. Aber es sollte der Mühe __________ (wert? Wert?) sein, so klar und __________ (korekt? korrekt?) wie möglich zu sprechen und zu schreiben. Gerade bei der Polizei können Kommunikationspannen __________ (fattale? fatale? fatahle?) Konsequenzen haben.“

Lösung für das Lückendiktat

„Mit Witzen ist nicht immer zu spaßen. Sagt der Malermeister zu seinem Auszubildenden: ‚Mir ist angst, dass wir nicht bis Dienstagabend fertig werden. Streich’ bitte die Fenster. Du musst jetzt schnell machen – und gib mir  Bescheid, wenn Du fertig bist.’

Nach zwei Stunden überaus engagierter Arbeit fragt der Lehrling seinen Chef, ob er die Fensterrahmen auch noch streichen solle.

Aus diesem Vorkommnis lässt sich das Folgende ableiten: Die Sprache lädt geradezu zu Missverständnissen ein, weil sie nicht so exakt wie die Mathematik sein kann. Aber es sollte die Mühe wert sein, so klar und korrekt wie möglich zu sprechen und zu schreiben. Gerade bei der Polizei können Kommunikationspannen fatale Konsequenzen haben.“

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2014 


Berufsalltag bei der Polizei: Einen Bericht verfassen

Das ist das tägliche „Brot“ vieler Polizistinnen und Polizisten – aufschreiben, was passiert ist. Als Bewerber müssen Sie zeigen, dass Sie grundsätzlich das Zeug dazu haben, belastbare Berichte zu verfassen. Solche Berichte sind von enormer Bedeutung, wenn man etwa an kriminaltaktische Maßnahmen oder die möglichen rechtlichen Folgen eines Polizeieinsatzes denkt.

In diesem Zusammenhang kann es sein, dass Ihnen im Auswahlverfahren ein Polizei- oder Gerichtsbericht aus der Tageszeitung vorgelegt wird und Sie den Inhalt zu rekapitulieren haben. Hier sehen Sie ein Beispiel:

 „Vor dem Eingang passten die Jugendlichen den 46-jährigen Kunden ab. Nachdem dieser den Laden verlassen hatte und zu seinem Fahrzeug gegangen war, liefen ihm die vier Jungen und ein Mädchen hinterher und beleidigten ihn weiter. Um die Situation zu beruhigen, entschuldigte sich der Bedrängte. Einer der Burschen spuckte ihm schließlich ins Gesicht. Ein anderer versuchte, dem Angestellten mit der Faust ins Gesicht zu schlagen, traf ihn jedoch nicht. Schließlich trat er gegen den Kotflügel des geparkten Audi A4 des Angestellten. Dadurch entstand ein Sachschaden in Höhe von 1.000 Euro. Daraufhin sagte einer der Gruppenmitglieder, dass sie den Angestellten in Ruhe lassen werden, wenn er ihnen zehn Euro geben würde.

Als die Situation weiter zu eskalieren drohte, mischte sich glücklicherweise ein 20-jähriger Augenzeuge in die Situation ein. Als dieser per Handy die Polizei informierte, flüchtete die Gruppe mitsamt eines Hundes in eine nahegelegene Wohnanlage.“

(aus der Münchner Wochenend Zeitung)

Dies muss man nun inhaltlich auf die Reihe bekommen, vernünftig strukturieren, klar formulieren und auch noch die neue deutsche Rechtschreibung beherrschen. Zur Erinnerung: Die wichtigste Waffe des Polizisten ist das Wort ist.

Quelle: Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Lexware 2. Auflage 2014

 

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“

Tipps von Prof. Dr. Reimer Eggers, Akademie der Polizei Hamburg

  • „Im Vorstellungsgespräch wird häufig gefragt:‚Warum wollen Sie zur Polizei?’ Dann sollte man wahrheitsgemäß antworten und nicht so, wie man glaubt, dass die Prüfungskommission es hören möchte.“
  • „Auf die Frage ‚Haben Sie sich schon woanders beworben?’ sollten Sie ehrlich antworten.“
  • „Sie brauchen keine Angst vor unfairen Psycho-Fragen haben – die sind bei uns nämlich verboten.“

 Klare Linie – dennoch ist es nicht von Nachteil, sich taktisch klug zu verhalten. Das muss man später im Beruf auch können.

Worum es bei dieser Frage nach den Motiven für die Bewerbung geht

 Im Idealfall ist eine Bewerbung eine kleine Liebeserklärung. So zumindest sehen und hätten es gern die Anbieter von Ausbildungs- und Studienplätzen bei der Polizei. Das gilt im Grunde für jedes Unternehmen: Man möchte „auserwählt“ sein. Keine Organisation ist an neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interessiert, die nur „unterkommen“ möchten – also bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer Anstellung beliebig vorgehen. Ein wenig Herzblut sollte schon dabei sein.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Mitglied in der Auswahlkommission: Wie finden Sie die folgenden Antworten auf die obige Frage?

Bewerber A

„Warum ich mich bei der Polizei beworben habe? Ich will etwas mit Menschen machen. Ich möchte einfach anderen helfen. Und deshalb habe ich mich schon immer für die Polizei interessiert. Das zeigt sich schon daran, dass ich mir immer gern Krimis im Fernsehen ansehe.“

Bewertung

Es ist keine gute Idee, die Motivation für den Polizeiberuf über Krimis zu begründen. Und das Bekenntnis, man möchte „etwas mit Menschen“ machen, ist recht platt. Das ist also keine gute Antwort.

Bewerber B

 „Ich habe mich schon immer für die Polizei interessiert. Und als ich dann gelesen habe, dass Nachwuchskräfte gebraucht werden, habe ich die Initiative ergriffen und mich beworben. Ich finde die Aufgaben bei der Polizei einfach spannend und vielseitig.“

Bewertung

Geht in Ordnung.

Bewerber C

„Nun – ich habe mir lange überlegt, welcher Beruf gut zu mir passen könnte. Ich arbeite gern im Team, treibe viel Sport und gehe dabei auch mal an meine Leistungsgrenze. Außerdem übernehme ich gern Verantwortung für andere, halte mich für pflichtbewusst und bin ich mobil. Ja – und da denke ich, dass der Polizeiberuf zu mir passt.“

Bewertung

Überzeugend.

Argumente für die Bewerbung als Polizist sammeln

Der zukünftige Erfolg eines Bewerbers hängt erheblich davon ab, ob er in einer Organisation bzw. einem Unternehmen seine „berufliche Heimat“ findet. Es geht also um die Frage, ob sich ein Kandidat mit den Aufgaben und Zielen seines zukünftigen Dienstherrn identifizieren kann. Im Vergleich zu einem Unternehmen der Privatwirtschaft sind die Bürgerinnen und Bürger der eigentliche Arbeitgeber der Polizei. Und sie sind gegebenenfalls auch die Leidtragenden, wenn ungeeignete Frauen und Männer mit hoheitlichen Aufgaben betraut werden.

Gründe für den Berufswunsch der Polizistin bzw. des Polizisten lassen sich auf den folgenden Gebieten finden:

  •  Welche grundsätzlichen Ziele verfolgt die Organisation der Polizei?
  • Welche Aufgaben sind zu erledigen, um diese Ziele zu erreichen?
  • Welche persönlichen Stärken passen besonders gut zu den Berufsanforderungen?
  • Welche möglichen Vorzüge hat die Größe der Organisation?
  • Welchen Stellenwert haben Kameradschaft und Teamarbeit?
  • Wie ist die Altersstruktur bei der Polizei?
  • Gibt es ein besonderes Erlebnis, das das Bild von Polizei positiv beeinflusst hat?
  • Gibt es in der Familie oder im Bekanntenkreis einen besonderen Bezug zur Polizei?

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was sind Ihre besonderen persönlichen Stärken?“

Die Polizei Hamburg schreibt auf ihrer Homepage zum Vorstellungsgespräch im Rahmen des Eignungsauswahlverfahrens: „Hier dürfen Sie eine Prüfungskommission in einem Vorstellungsgespräch von Ihrer Persönlichkeit überzeugen. Wir möchten uns dabei einen Eindruck von Ihrer mündlichen Ausdrucksfähigkeit, Ihrem Urteilsvermögen und Ihrer Argumentationsfähigkeit verschaffen.“

Worum es bei dieser Frage geht

Bei der Frage nach den persönlichen Stärken kann man natürlich erzählen, dass im Himmel Jahrmarkt sei. Aber es geht gar nicht darum, sich als Glanzpunkt der Natur zu präsentieren, sondern den Mitgliedern der Auswahlkommission zu zeigen, dass man die Anforderungen des Polizeiberufs einigermaßen kapiert hat – also weiß, worauf es ankommt bzw. welche Eigenschaften wichtig sind.

Und nun versetzen Sie sich einmal in die Rolle eines Mitglieds der Auswahlkommission und beurteilen Sie die folgenden Bewerberinnen und Bewerber.

Bewerber A

„Meine persönlichen Stärken? Ach – wissen Sie – das können andere besser beurteilen. Ich kann mich zu diesem Thema doch nur subjektiv äußern. Und das klingt dann so nach Eigenlob und das liegt mir gar nicht.“

Bewertung

Mit solchen Gemeinplätzen darf man sich nicht aus der Affäre ziehen wollen. Natürlich können einen andere im Zweifelsfall besser beurteilen und natürlich ist jede Beurteilung mehr oder weniger subjektiv – aber wer sich um eine bestimmte Ausbildung bzw. Aufgabe bewirbt, muss sich vorher die Frage stellen, ob und warum er dafür geeignet sein könnte – muss sich also selbst beurteilen. Das gilt ganz besonders für den Beruf des Polizisten, der im Zweifelsfall ja befugt ist, Gewalt gegen Bürger anzuwenden. Das war also eine schlechte Antwort.

Bewerber B

„Meine Stärken? Teamfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Sozialkompetenz, Empathie, Organisationstalent, Flexibilität ... . Außerdem finde ich schnell Kontakt zu anderen Menschen. Ja – ich denke, dass ich auch kommunikationsstark bin. Ich kann auch sehr gut zuhören. Aktives Zuhören ist eine wichtige Fähigkeit heutzutage.“

Bewertung

Alte Handwerkerregel: Nach fest kommt ab. Wenn man eine Schraube überdreht, zerspringt sie. Wer bei der Frage nach den Stärken alle möglichen Eigenschaften beliebig aufsagt, wirkt unglaubwürdig. Im übrigen erweckt der Bewerber den Eindruck, dass er mit Begriffen hantiert, von denen er wenig Ahnung hat. Diese Antwort kommt nicht gut an.

Bewerber C

„Meine Stärken – ich glaube, ich erkenne recht schnell, worauf es ankommt, ich kann gut das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden. Ich hatte einen Deutschlehrer, der uns beigebracht hat, bei jedem Thema zunächst die Frage zu stellen: ‚Worauf kommt es eigentlich an?’ Das war ein guter Tipp, der mir immer sehr geholfen hat. Außerdem halte ich mich für belastbar. Mit Stress kann ich gut umgehen und behalte auch in schwierigen Situationen den Überblick. Ja – ich glaub’, das sind Stärken von mir.“

Bewertung

Das ist eine gute Darstellung der Stärken.

Die Dos und Dont’s bei der Frage nach den Stärken

  • Das Anforderungsprofil der Ausbildung bzw. Laufbahn bei der Polizei beachten! Es geht nicht um irgendwelche tollen Eigenschaften, über die Sie als Bewerber verfügen, sondern um jene, die zu den Aufgaben eines Polizeibeamten passen.
  • Keine falsche Bescheidenheit, aber auch nicht „auf den Putz hauen“! Stellen Sie sachlich dar, was Sie besonders gut können.
  • Es kommt manchmal ganz gut an, auf die Ich-Form zu verzichten („Ich bin zuverlässig!“), sondern sich auf Freunde oder Klassenkameraden zu beziehen. Etwa: „Meine Freunde sagen mir nach, dass ich zuverlässig sei.“)
  • Weniger ist mehr! Ist gibt Bewerber, die bei der Frage nach den Stärken ein breites Sortiment ausloben. Das wirkt natürlich unglaubwürdig.
  • Behaupten Sie keine Eigenschaft als Stärke, bei der Sie (eventuell) sofort den Beweis antreten müssen und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit scheitern werden. Manche Bewerber sprechen von ihrer ausgeprägten Kommunikationsfähigkeit und bekommen keinen Satz vernünftig zu Ende. Und wer seinem Gesprächspartner bei der Begrüßung die Hand wie einen nassen Lappen gereicht hat, muss sich überlegen, ob er Belastbarkeit als besonderen Vorzug benennen sollte.

Merkposten zum Schluss: Die Polizei sucht Frauen und Männer, die ein gesundes Selbstwertgefühl haben und selbstbewusst auftreten – aber niemals arrogant und überheblich.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Arbeiten Sie lieber allein oder mit anderen zusammen?“

Worum es bei dieser Frage geht

Teamwork ist nicht alles, aber ohne Teamwork ist bei der Polizei alles nichts. Und deshalb scheitern Bewerber im Eignungsauswahlverfahren, wenn sie den Verdacht erregen, ihren angemessenen Platz in Team nicht zu finden. Gerade bei der Polizei – aber nicht nur in diesem Berufsfeld – sind die entscheidenden Leistungen Teamleistungen. Man muss sich auf seine Kolleginnen und Kollegen verlassen können. Mangelnde Teamfähigkeit kann nämlich lebensgefährlich sein.

Auch bei dieser Frage versetzen Sie sich bitte einmal in die Rolle der Mitglieder der polizeilichen Auswahlkommission. Welche Antworten kommen wohl gut an und wer fällt durch?

Bewerber A

„Teamwork finde ich super. Wir sitzen doch alle im selben Boot. Da muss man doch an einem Strang ziehen.“

Bewertung

Weg mit einem derartigen Geschwafel.

Bewerber B

„Ich arbeite gern im Team. Da bekommt man die besten Ideen und man kann sich gegenseitig motivieren und bei schwierigen Aufgaben unterstützen. Alle großen Leistungen sind im Grunde ja Teamleistungen. Und die Zusammenarbeit im Team bietet jedem ja auch Sicherheit. Und ich denke, das ist bei der Polizei ja auch sehr wichtig.“

Bewertung

Völlig in Ordnung.

Bewerber C

„Ich halte mich für einen guten Teamplayer. Ich betreibe viel Mannschaftssport. Da kann man nur erfolgreich sein, wenn man seinen Platz im Team findet und sich gegenseitig unterstützt. Aber man muss manchmal auch mit seinen Aufgaben klar kommen, wenn man auf sich allein gestellt ist. Ich arbeite gern mit anderen zusammen, aber wenn es sein muss, beiße ich mich auch allein durch.“

Bewertung

Mit dieser Antwort ist man auf der sicheren Seite, denn sie bildet am ehesten die Realität nicht nur im Polizeidienst ab. Geschickt ist der Hinweis auf den Mannschaftssport.

An dieser Stelle könnten Sie gefragt werden, woran es wohl liegen mag, wenn Teams scheitern. Hier die wichtigsten Ursachen:

Warum Teams scheitern

Die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Bad Harzburg hat Führungskräfte zu dieser Problematik befragt. Das folgende Ranking nach der Häufigkeit der Nennungen können Sie gut für eine Antwort nutzen:

  1. Kommunikationsschwierigkeiten
  2. unklarer Auftrag
  3. keine Kultur der Zusammenarbeit
  4. unausgesprochene Konflikte
  5. fehlendes Vertrauen im Team
  6. Machtkämpfe
  7. ineffektive Teamsitzungen
  8. kein eindeutiger Teamleader
  9. Dominanz der eigenen Interessen
  10. zu wenig Zeit

Erfolgreiche Bewerber kennen diese Gründe für das Scheitern von Teams und können deshalb vorbeugend tätig werden. Solche Frauen und Männer werden nicht nur bei der Polizei gebraucht.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Testen Sie Ihre Teamfähigkeit

Polizisten müssen Teamplayer sein und deshalb versucht man im Einstellungsauswahlverfahren bei der Polizei heraus zu finden, ob der Bewerber bzw. die Bewerberin teamfähig ist.

Nun liegen ja oft zwischen Anspruch und Wirklichkeit erhebliche Unterschiede. So mancher Zeitgenosse behauptet, über Teamgeist zu verfügen und ist doch in Wirklichkeit lieber der „einsame Wolf“.

Zeigen Sie im folgenden Test, was Sie unter Teamarbeit verstehen und ob Sie eher ein Einzelgänger oder eher ein Teamplayer sind.

Test „Teamfähigkeit“

Bitte entscheiden Sie sich für eine Alternative.

1.   Teams können nur funktionieren, wenn die Teammitglieder ihre persönlichen Interessen konsequent zurückstecken.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

2.   Man muss bestimmte Aufgaben auch völlig auf sich allein gestellt erledigen können.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

3.   Wenn es Konflikte gibt, ist das immer ein schlechtes Zeichen für die Leistungsfähigkeit von Teams.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

4.   Die entscheidende Voraussetzung für das Funktionieren von Teams ist das gemeinsame Ziel.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

5.   Teamwork ist eine Erfindung von Gutmenschen. Hier wird ein Gemeinsinn beschworen, der der menschlichen Natur fremd ist.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

6.   Man muss die anderen auch ’mal „gegen den Strich bürsten“ dürfen, denn aus „Reibung“ entsteht oft Kreativität.           

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

7.   Das Wichtigste in einem Team ist eine gute Atmosphäre.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

8.  Der Mensch tut in der Regel, was ihm gut tut.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

9.   Teamwork heißt meist, dass die Leistungstreiber die Leistungsschwachen mitschleppen müssen.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

10. Teams funktionieren auf Dauer nur, wenn sie einen klaren Auftrag haben.

…      0 stimmt … 0 dazwischen …0 stimmt nicht

Auswertung

Ungerade Testitems: „stimmt“ = 0 Punkte, „stimmt nicht“ = 2 Punkte

Gerade Testitems: „stimmt“ = 2 Punkte, „stimmt nicht“ = 0 Punkte

„dazwischen“ = 1 Punkt

Interpretation

20 – 14 Punkte

Ihre Grundüberzeugung lautet: Individualismus und Teamfähigkeit sind keine Gegensätze, sondern ergänzen einander. Die Amerikaner sind einerseits exzellente Teamplayer, vergessen bei der Teamarbeit aber nicht ihre persönlichen Interessen bzw. ihre individuelle Verantwortung. Und genau dies ist ja auch der entscheidende Unterschied zum Kollektiv, das sich vorrangig an der Devise orientiert „Hauptsache einig – auch wenn es falsch ist!“ Bei der Polizei ist diese Haltung inakzeptabel.

13 – 6 Punkte

Nach Ihrer Auffassung muss sich der Teamplayer weit gehend von seinen persönlichen Interessen verabschieden und möglichst „pflegeleicht“ sein. Genau unter solchen Bedingungen funktionieren Teams auf Dauer aber nicht sonderlich gut bzw. die Ergebnisse stimmen nicht.

5 – 0 Punkte

Bei dieser Einstellung dürfte es Ihnen schwer fallen, in einem Team einen angemessenen Platz zu finden. Schon gar nicht bei der Polizei!

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Testbuch Vorstellungsgespräche. Haufe Verlag 2009

 

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Wie wichtig sind für Sie Äußerlichkeiten?“

Worum es bei dieser Frage geht

Lange Zeit war es üblich, einen Zusammenhang zwischen dem äußeren Erscheinungsbild eines Menschen und seiner inneren seelischen Verfassung zu leugnen. Wer als Intellektueller wahrgenommen werden wollte, musste lässig und bisweilen gar schlampig gekleidet sein. Inzwischen hält man sich allerdings wieder an Oskar Wilde und seinen Befund: „Nur oberflächliche Leute urteilen nicht nach dem Aussehen.“

Es versteht sich von selbst, dass der öffentliche Auftritt von Amts- und Funktionsträgern bei der Polizei nicht beliebig sein kann. Schließlich repräsentiert man als Polizist im Dienst – und in gewisser Hinsicht auch außerhalb des Dienstes – Staat und Gesellschaft und hat eine Vorbildfunktion. Kurzum: Das positive Erscheinungsbild ist ein nicht unwesentliches Auswahlkriterium im Bewerbungsverfahren bei der Polizei, wobei dies freilich nichts mit einem wie auch immer verstandenen „guten“ Aussehen zu tun hat.

Lesen Sie einmal die folgenden Antworten, die Bewerberinnen und Bewerber im Vorstellungsgespräch bei der Polizei geben. Welche Antworten finden Sie gut?

Bewerber A

„Äußerlichkeiten sind für mich nicht wichtig. Entscheidend ist der Charakter eines Menschen. Der schöne Schein täuscht doch allzu oft. Für mich zählen die inneren Werte.“

Bewertung

Alles sachlich richtig, aber es geht an der Wirklichkeit vorbei. Wer ein Flugzeug besteigt und den Piloten in einer zerlumpten Uniform sieht, wird an seinen fliegerischen Fähigkeiten zweifeln, obwohl diese grundsätzlich ja nichts mit dem Outfit zu tun haben. Und ein Polizist, auf dessen Hals eine Kobra tätowiert ist, wirkt nicht unbedingt vertrauenerweckend.

Bewerber B

„Der erste Eindruck spielt in vielen Situationen eine wichtige Rolle. Und der kommt ja durch Äußerlichkeiten zustande. Die Kleidung, das Auftreten, die Umgangsformen – das alles ist schon wichtig. Ganz besonders natürlich für einen Polizisten, der ja im Namen der Gesellschaft tätig ist und diese repräsentiert. Es geht um die positive Außenwirkung. Und ich glaube schon, dass diese für die Polizei ganz wichtig ist und deshalb sind Äußerlichkeiten wichtig.“

Bewertung

So kann man das machen. Gut.

Bewerber C

„Wenn sich mein Berufswunsch erfüllt, Polizist zu werden, werde ich ja eine Uniform tragen. Und da ist mir völlig klar, dass man auffällt und deshalb das Äußere absolut korrekt sein muss. Schließlich hat man ja als Polizeibeamter eine Vorbildfunktion und repräsentiert den Staat. “

Bewertung

Das ist noch besser.

Dos und Dont’s zum Erscheinungsbild als Bewerber im Auswahlverfahren bei der Polizei

  • Kommen Sie mit der dem Anlass entsprechender Kleidung zum Auswahlverfahren und treten Sie authentisch auf, alles andere wird dem geschulten Auge der Auswahlkommission nicht entgehen
  • Nicht zu sehr „aufbrezeln“! Weder das Knie umspielende kleine Schwarze noch eine Fliege oder Krawatte sind angemessen. Entscheiden Sie sich für eine Kleidung, in der Sie sich wohl fühlen und von der Sie meinen, dass sie zum Beruf des Polizisten passt.
  • Wer mit Nasenringen und sichtbarem Tattoo anreist, ist als Bewerber sofort  k.o.
  • Die Haartracht ist heute mehr denn je Geschmackssache. Aber es versteht sich von selbst, dass Bewerberinnen und Bewerber um eine Ausbildung oder ein Studium bei einer Polizeiakademie sich mit gepflegtem Haar präsentieren.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

 

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Welche Eigenschaften sollte ein Polizist haben?“

Worum es bei dieser Frage geht

Klar – hier geht es darum, ob Ihre Vorstellungen vom Beruf des Polizisten einigermaßen realistisch sind und den Anforderungen im Berufsalltag entsprechen. Natürlich haben Sie sich über das Anforderungsprofil bereits vor Ihrer Bewerbung schlau gemacht. Sie wissen, dass Eigenschaften gefragt sind wie zum Beispiel

  • Demokratieverständnis
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift
  • Belastbarkeit
  • Körperliche Fitness
  • Teamfähigkeit
  • Allgemeinbildung
  • Mobilität
  • Leistungsbereitschaft
  • Durchsetzungsvermögen etc.

Diese Begriffe muss man als Bewerber kennen und vor allem sollte man wissen, was damit inhaltlich gemeint ist. Aber das reicht nicht. Man kann ja die Auswahlkommission im Vorstellungsinterview bei der Frage nach den wünschenswerten Eigenschaften eines Polizisten nicht einfach mit diesen Vokabeln abspeisen, sondern man sollte zeigen, was man unter solchen Eigenschaften versteht, indem man diese mit eigenen Worten benennt und beschreibt. Beispiel „Belastbarkeit“: Anstatt dieses Wort zu benutzen sagen Sie, dass ein Polizeibeamter auch in Stresssituationen nicht den Überblick verlieren darf. Das bedeutet in der Praxis unter anderem seelische Belastbarkeit.

Und nun versetzen Sie sich in die Rolle der Auswahlkommission. Welche Antworten von Bewerbern überzeugen Sie und welche finden Sie weniger angemessen?

Bewerber A

„Ein guter Polizeibeamter ist teamfähig, belastbar, kommunikativ und natürlich sportlich.“

Bewertung

So eben nicht. Stimmt zwar alles – klingt aber wie aufgesagt und wenig persönlich.

Bewerber B

„Das Wichtigste ist eine gute körperliche Fitness, man muss Ausdauer haben und physisch belastbar sein – eben ein guter Sportler. Außerdem muss man im Team arbeiten können und Stress aushalten.“

Bewertung

Dies ist keine gute Antwort. Warum? Weil als erstes die körperliche Fitness angeführt wird. Die größte Sportskanone hat bei der Polizei keine Chance, wenn das Gehirn unterentwickelt ist. Man sollte sich also überlegen, in welcher Reihenfolge man die besonders gefragten Eigenschaften eines guten Polizisten anführt.

Bewerber C

„Ein guter Polizeivollzugsbeamter hat zunächst einmal eine positive Einstellung zur Demokratie und zum Staat als seinem Dienstherrn – das ist für mich selbstverständlich. Dann denke ich, muss man vor allem belastbar sein und auch in problematischen Situationen einen klaren Kopf und den Überblick behalten. Flexibilität ist sicher auch wichtig – denn man muss sich schnell auf neue Anforderungen einstellen können. Ja – und dann habe ich gelesen, dass die wichtigste Waffe des Polizisten das Wort ist – man sollte also in Sachen Kommunikation gut drauf sein. Wenn man einen Konflikt mit Worten schlichten kann, ist eine Anwendung von Gewalt nicht mehr notwendig. Und natürlich sollte man teamfähig sein. Ja und – das ist für mich selbstverständlich – man muss nicht nur geistig, sondern auch körperlich fit sein.“

Bewertung

Das ist eine gute Antwort. Natürlich kann man noch mehr Eigenschaften anführen, aber das muss nicht sein. Beschränken Sie sich auf das Wesentliche und zeigen Sie damit, dass Sie wissen, worauf es ankommt

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014


Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei gegebenenfalls rechnen: „Warum haben Sie Ihre Berufsausbildung abgebrochen?“

Worum es bei dieser Frage geht

Wer eine Ausbildung ohne Abschluss beendet hat, empfindet dies oft als Makel. Immerhin hat man ja auf dem Gebiet der Berufsfindung einen Fehler gemacht bzw. in den Niederungen des Ausbildungsalltags nicht durchgehalten.

Aber zum Leben gehört auch das Scheitern. Man kann mit seinen Misserfolgen wachsen. Allerdings nur dann, wenn man aus dem persönlichen Versagen etwas gelernt und die Konsequenzen gezogen hat. Das gilt es als Bewerber zu zeigen.

Wer macht seine Sache im Vorstellungsgespräch gut und wer nicht?

Bewerber A

„Ich habe mir nach dem Abitur gedacht, dass eine Ausbildung vor dem Studium die späteren Berufschancen deutlich verbessert. Aber nach einem Jahr habe ich mit dem Niveau der Ausbildung Probleme bekommen. Ich wurde überwiegend zu Routinetätigkeiten herangezogen und auch sonst war der intellektuelle Anspruch an die Azubis eher bescheiden. Eigentlich wurden wir ständig ausgenutzt und eine Zusage für die spätere Übernahme im Betrieb wollte man uns auch nicht geben.“

Bewertung

Die Begründung dieses Bewerbers ist nicht sonderlich glücklich, weil auch im Berufsleben bei der Polizei Routineaufgaben zu erledigen sein werden. Und es ist immer riskant, wenn man den Eindruck erweckt, sich für bestimmte Aufgaben zu schade zu fühlen.

Bewerber B

Ich habe gelesen, dass es bei der Polizei gute Berufschancen und vor allem auch prima Karrieremöglichkeiten gibt – es werden ja ständig junge zukünftige Polizisten für eine Ausbildung gesucht – und da habe ich mich entschieden, mit meiner bisherigen Berufsausbildung aufzuhören und mich voll auf die Bewerbung bei der Polizei zu konzentrieren. Ich möchte unbedingt Polizist werden.

Bewertung

Eine Ausbildung zu schmeißen, ohne zu wissen, ob es mit der Bewerbung bei der Polizei bzw. mit dem Eignungstest überhaupt klappt, ist verantwortungslos und fahrlässig. Mit dieser Argumentation kann man die Auswahlkommission nicht überzeugen.

Bewerber C

„Der Abbruch war eine totale Fehlentscheidung. Ich hätte die Ausbildung durchziehen sollen. Heute bereue ich das natürlich, aber eins habe ich gelernt – man darf niemals voreilig aufgeben.“

Bewertung

Ein klares Bekenntnis zur persönlichen Verantwortung für das eigene Schicksal. Und das Gute am Schlechten erkannt und benannt – dass man nämlich manchmal lieber einen langen Atem haben sollte. Solche Leute werden gebraucht.

Bewerber D

„Ich habe mich für den falschen Ausbildungsberuf entschieden. Es passt nicht zu mir, immer nur am Schreibtisch zu hocken und mich ausschließlich mit kaufmännischen Aufgaben zu befassen. Ich bin begeisterter Mannschaftssportler – bin also gern auch körperlich gefordert und brauche ein Team. Deshalb denke ich, dass der Beruf des Polizisten sehr gut zu mir passt.“

Bewertung

Ausgezeichnet.

Fazit

Bewerber bei der Polizei werden nicht abgelehnt, weil sie in jungen Jahren ’mal den einen oder anderen Fehler gemacht haben, sondern sie werden abgelehnt, wenn sie nicht dazu stehen oder gar anderen dafür die Schuld in die Schuhe schieben. Da wird jede Auswahlkommission gallig.

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014


Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was würden Sie tun, wenn Sie sich von Ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen?“

Worum es bei dieser Frage geht

In Vorstellungsinterviews werden gern „situative Fragen“ gestellt. Das grundsätzlich Muster geht so: „Stellen Sie sich vor ... .“ Man kann es auf viele Themen anwenden und damit den Bewerber bitten, sich gedanklich in bestimmte schwierige Situationen hineinzuversetzen und über sein voraussichtliches Verhalten zu berichten.

Ein Dauerthema in allen Organisationen ist das der Gerechtigkeit. Nicht jeder bekommt, was er verdient und nicht jeder hat verdient, was er bekommt. Derartige Schieflagen gibt es immer wieder und sie sind von jenen, die sich benachteiligt fühlen, nicht immer leicht zu ertragen – und man sollte es auch nicht. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine tatsächliche oder um eine „gefühlte“ Ungerechtigkeit geht.

Was tun? Bewerten Sie einmal die Antworten der folgenden Bewerber.

Bewerber A

„Als Polizist muss man auch ’mal Frust aushalten und deshalb sage ich nichts, wenn ich mich benachteiligt fühle.“

Bewertung

Der erste Teil der Antwort ist richtig, der zweite Teil ist falsch. Wenn das Fehlverhalten eines Vorgesetzten z. B. die Würde des Untergebenen antastet, darf man das keineswegs stillschweigend hinnehmen. Und nicht oft untergräbt eine ungerechte Behandlung die Leistungsmoral und ist damit nicht gut für die Organisation. Die Sache muss also angesprochen werden.

Bewerber B

„Ich überlege mir, ob eine Beschwerde mir Nachteile einbringen könnte. Falls ja, halte ich den Mund.“

Bewertung

Das ist eine ganz schlechte Antwort. Duckmäuser und Opportunisten sind bei der Polizei zum Glück nicht gefragt.

Bewerber C

„Das ist doch klar: Ich wende mich an den Chef meines Vorgesetzen und erläutere ihm den Sachverhalt. Andernfalls wird man ja doch nur abgewimmelt.“

Bewertung

Das ist die schlechteste Idee, die man im Falle einer (vermeintlich) ungerechten Behandlung haben kann. Es gibt in einem ersten Schritt nur einen Ansprechpartner und das ist der direkte Vorgesetzte.

Bewerber D

„Ich frage mich erst einmal, ob das Gefühl der Benachteiligung wirklich durch Tatsachen begründet ist. Es gibt ja auch eine ‚gefühlte Temperatur’, die von der Wirklichkeit manchmal erheblich abweicht. Wenn ich in eine derartige Lage geraten sollte, rede ich erst einmal mit Menschen, die es wirklich gut mit mir meinen – die mir also nicht nach dem Munde reden. Das ist für mich ganz wichtig. Und dann spreche ich eventuell meinen Vorgesetzten auf die empfundene Ungerechtigkeit an.“

Bewertung

Das ist eine gute Vorgehensweise. Grundsätzlich gilt: Wer loyal ist, sucht zunächst das Vier-Augen-Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten.

Falls Sie jetzt gefragt werden, wie Sie denn praktisch vorgehen würden – hier einige Tipps.

Dos and Dont’s einer Beschwerde

  • Gute Gesprächsvorbereitung: Welche Fakten habe ich? Was sind Vermutungen?
  • Nicht auf Äußerungen von Kolleginnen und Kolleginnen beziehen (etwa: "Kollege x sagt auch, dass ... .“
  • Vorurteilsfrei kommunizieren – also keine Vorwürfe machen, solange es keine Beweise für eine ungerechte Behandlung gibt.
  • Niemals den direkten Vorgesetzten umgehen, es sei den er verstößt trotz einer Beschwerde gegen Recht und Gesetz.
  • Eine Brücke zu einer zukünftig guten Zusammenarbeit bauen.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was sind Ihre persönlichen Schwächen?“

Worum es bei dieser wenig prickelnden Frage geht

In einer Untersuchung der Akademie für Führungskräfte in Bad Harzburg wurden bundesweit Manager gefragt, was sie an Nachwuchskräften am meisten zu monieren hätten. Die Antwort lautete: Mangelnde Selbstkritik.

Von zukünftigen Polizisten wird erwartet, dass sie ein gesundes Selbstbewusstsein mitbringen, aber auch in der Lage sind, sich von Fall zu Fall kritisch zu sehen, denn nur so kann man besser werden. Schwächen, die einem bewusst sind, können einem nicht mehr sonderlich schaden und man kann sie im Zweifelsfall eben aus der Welt schaffen. Das ist der entscheidende Punkt bei dieser Frage und deshalb wird sie keinesfalls gestellt, um Bewerber zu verunsichern oder gar vorzuführen.

Wie geht man mit dieser bei vielen am Polizeiberuf interessierten Frauen und Männern besonders verhassten Frage um? Nun – der Schutz der Privatsphäre gilt selbstverständlich auch für das Vorstellungsinterview bei der Polizei. Es wird also kein Seelen-Striptease erwartet.

Aber versetzen Sie sich auch hier einmal in die Rolle Ihres Gegenübers in der Auswahlkommission. Wie finden Sie die Antworten der folgenden Bewerber?

Bewerber A:

„Meine Schwäche ist – ich esse gern Schokolade.“

Bewertung

Diese Antwort wird offenbar in irgendeinem Bewerbungsratgeber empfohlen und ist unterirdisch. Im Vorstellungsinterview ist schon eine gehörige Portion an Ernsthaftigkeit gefordert, denn es geht um eine fundamentale berufliche Weichenstellung.

Bewerber B

„Also – manchmal neige ich zur Ungeduld – es soll bei mir alles schnell gehen und ich möchte ja auch möglichst viel erledigen.“

Bewertung

Die Antwort dieses Bewerbers klingt vordergründig gar nicht so schlecht, ist aber schlecht. Nicht nur, weil man sie als Einstellender schon tausend Mal gehört hat, sondern vor allem weil Sie nicht zum Anforderungsprofil des Polizeibeamten passt. Hier braucht man eine gehörige Portion an Geduld – sei es bei Observierungen oder beim Umgang mit Konfliktparteien.

Bewerber C

„Nobody is perfekt – wir haben doch alle unsere Fehler. Ich glaube, dass ein gesundes Selbstbewusstsein die wichtigste Voraussetzung für Erfolg im Polizeiberuf ist und da darf man sich nicht selbst immer kritisch hinterfragen.“

Bewertung

Der Satz ‚Nobody is perfect’ müsste verboten werden. Und dass der Bewerber die Mitglieder der Auswahlkommission hier gleich mit einbezieht, ist äußerst ungeschickt. Mit dieser Antwort kann man sich aus dem Auswahlverfahren ’rausschießen.

Bewerber D

„Ich weiß – meine Ergebnisse im Sporttest waren nicht berauschend, aber ich werde tüchtig trainieren und meine körperliche Belastbarkeit zu verbessern.“

Bewertung

Wenn das den Tatsachen entspricht, ist diese Antwort gar nicht schlecht. Sie zeugt von Problembewusstsein und kommt deshalb gut an.

Bewerber E

„Ich hatte schon in der Schule das Problem, dass ich sauer wurde, wenn sich jemand unkameradschaftlich verhielt. Ich habe denjenigen dann darauf angesprochen und da bekam ich nicht selten Streit. Ich muss wohl lernen, in solchen Fällen etwas diplomatischer zu sein.“

Bewertung

Die rechte Einsicht ist oft die halbe Miete. Gut!

Bewerber F

„Sie haben meine Zeugnisse ja gesehen – meine Englischkenntnisse sind nicht sonderlich gut. Aber ich werd’ mich da schon ’reinknien und dann werde ich besser.“

Bewertung

Die Einstellungskommission will doch nur sehen, ob der Bewerber ein gewisses Problembewusstsein hat. Die Antwort ist gut.

Die Dos und Dont’s bei der Frage nach den Schwächen

  • Es geht nicht darum, einen Einblick in seelische Abgründe zu gewähren! Es geht nur darum, auf eine persönliche Frage überzeugend und gewinnend zu reagieren – und Problembewusstsein in eigener Sache zu zeigen.
  • Denken Sie immer an das Anforderungsprofil des Polizeiberufs! Achten Sie darauf, dass Sie keine Schwäche benennen, die man als Polizist nicht haben darf. Im Zweifelsfall sollte man sich dann allerdings gar nicht erst bewerben.
  • Wenn es Defizite oder Unebenheiten in Ihrem Werdegang gibt, von denen Sie sicher sein können, dass die Auswahlkommission diese in der Bewerbung gesehen hat, dann sprechen Sie diese von sich aus an.

Sie sehen also, dass die Frage nach den Schwächen gar nicht so schlimm ist.

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Wovor haben Sie Angst?“

Worum es bei dieser Frage geht

Der amerikanische Präsident und Gegner von Hitler-Deutschland, Franklin D. Roosevelt, warnte einst seine Landsleute: „The only thing we have to fear is fear itself.“ Da ist etwas dran. Und geradezu unwiderstehlich ist der Vorsatz, den der berühmte, leider jung verstorbene Publizist Johannes Gross einmal in sein „Notizbuch“ schrieb: „Mit vierzig habe ich beschlossen, keine Angst mehr zu haben. Ich habe es nicht bereut.“

Wie aber soll man sich als Bewerber bei der Polizei bei dieser Frage positionieren? Nun – die Sprache ist ein guter Lehrmeister der Psychologie. „Angst“ leitet sich ab vom lateinischen  „angustiae“ und das bedeutete damals soviel wie „Enge“. Kein Zweifel: Angst schränkt einen Menschen in seinen Entscheidungs- und Entfaltungsmöglichkeiten ein. Und Angst ist vor allem ein Energiefresser. Ängste können einem den Schlaf rauben und lähmend wirken. Andererseits gilt die Angst auch als „Hüter der Gesundheit“. Wer sich vor nichts fürchtet, kann ein Risiko für sich selbst und seine Umwelt sein. Gefragt ist – insbesondere im Vollzugsdienst der Polizei – weder der Angsthase, noch der kaltschnäuzige Draufgänger.

Wie finden Sie die folgenden Antworten?

Bewerber A

„Angst? Das ist für mich ein Fremdwort. Als Polizist darf man meiner Meinung nach vor nichts Angst haben. Wie soll man denn sonst in gefährlichen Situationen einen guten Job machen?“

Bewertung

So etwas möchte die Auswahlkommission der Polizei nicht hören.

Bewerber B

„Angst habe ich davor, dass meiner Familie ein Unheil widerfährt oder vor einer schweren Krankheit.“

Bewertung

Die Antwort geht völlig in Ordnung. Man muss allerdings damit rechnen, dass nachgehakt wird: „Nennen Sie doch bitte noch ein Beispiel, das etwas mit Ihrem angestrebten Beruf bei der Polizei zu tun hat.“

Bewerber C

„Ich glaube, man muss auch etwas wagen, wenn man erfolgreich sein will. Aber natürlich habe ich ein wenig Angst davor, eine berufliche Fehlentscheidung zu treffen. Ich freue mich, wenn ich von der Polizei genommen werde – aber ich denke, so wirklich einschätzen kann ich nicht, was auf mich zukommt, wenn ich eingestellt werde. Vielleicht ist es auch weniger Angst, sondern eher Aufregung und Spannung.“

Bewertung

Das ist eine sachlich gut überlegte Antwort. Von einem Bewerber wird schon erwartet, dass er sich gewisser Risiken bewusst ist. Manche Bewerber zeigen sich hinsichtlich der zu erwartenden Anforderungen recht blauäugig.

Bewerber D

„Na ja – ich traue mir schon ’ne Menge zu und halte mich für körperlich und psychisch belastbar. Aber die Anforderungen bei der Polizei sind doch sehr hoch und ich möchte die Ausbildung natürlich mit einem guten Ergebnis abschneiden – also, da habe ich schon ganz schön Respekt, wenn ich daran denke, was auf mich zukommt. Aber ich freue mich natürlich sehr, wenn sich mein Berufswunsch als Polizist erfüllt.“

Bewertung

Klasse Antwort.

Quelle:
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Welche beruflichen Ziele haben Sie?“

Worum es bei dieser Frage geht

„Wo wollen Sie eigentlich hin?“ fragte der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger einmal einen jungen Motorradfahrer. Der antwortete: „Das weiß ich selbst nicht genau.“ Qualtinger: „Warum rasen Sie dann so?“ Die Antwort: „Na ja – umso schneller komme ich doch an.“

Wer nicht weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll, landet meist da, wo er überhaupt hin wollte. Deshalb sollte man sich Ziele setzen, wobei es durchaus sinnvoll sein kann, diese manchmal auch zu ändern. Ein Bewerber ist bei dieser Frage besonders gefordert: Erstens sollte er überhaupt Vorstellungen hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft haben und diese müssen – zumindest in den Augen der Auswahlkommission – einigermaßen realistisch sein bzw. zu den beruflichen Einsatzmöglichkeiten bei der Polizei passen.

Hier sind einige Antworten aus der Praxis. Welche finden Sie gut und welche gefallen Ihnen weniger?

Bewerber A

„Meine beruflichen Ziele? In fünf Jahren möchte ich auf ihrem Stuhl sitzen.“

Bewertung

Die Zeiten, als man mit dieser kecken Antwort Selbstbewusstsein demonstrieren konnte und damit auch noch gut ankam, sind vorbei. Wer sich heute zu sehr von der eigenen Vorzüglichkeit beeindruckt zeigt oder auf eine ernste Frage mit einem Gag reagiert, positioniert sich nicht gerade vorteilhaft.

Bewerber B

„Ach – wissen Sie – für mich ist es erst einmal wichtig, überhaut genommen zu werden. Alles Weitere wird sich dann schon ergeben. Aber natürlich würde es mich schon interessieren, wie die Karrierechancen bei der Polizei so sind? Ich möchte möglichst nicht fünf Jahre denselben Job machen.“

Bewertung

Der Bewerber wirkt absolut planlos, hat – salopp formuliert – offenbar „null Peilung“. Sein letzter Satz nährt den Verdacht, dass er – einmal in den Niederungen des beruflichen Alltags angekommen – recht bald die Lust an seinem Beruf verlieren könnte.

Bewerber C

„Für mich ist zunächst einmal die Frage ‚Was kann ich bei der Polizei tun?’ oder ‚Was kann ich in der Ausbildung bei der Polizei lernen?’ wichtiger als die Frage ‚Was kann ich werden?’. Aber ich habe mir selbstverständlich auch Gedanken darüber gemacht, wie es einmal weiter gehen könnte. Toll fände ich eine spätere Spezialverwendung bei der Kripo.“

Bewertung

Gut. Wer permanent mit seinem beruflichen Fortkommen beschäftigt ist, vernachlässigt oft seine Aufgaben bzw. die Ausbildung. Die vom Bewerber formulierten Vorstellungen sind klar und realistisch.

Bewerber D

„Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich erst einmal die Chance für den Einstieg in den mittleren Polizeivollzugsdienst erhielte. Aber mein Ziel ist es schon, durch gute Leistungen später einmal den Aufstieg in den gehobenen Dienst bei der Polizei zu schaffen.“

Bewertung

Prima Antwort.

Bewerber E

„Ich würde mich später gern beim Wasserzoll für den Umweltschutz engagieren – also zum Beispiel die Wasserverschmutzung bekämpfen. Auf jeden Fall möchte ich gern – nach allem, was ich heute weiß – in einer mobilen Kontrollgruppe mitwirken.“

Bewertung

Das ist ebenfalls gut.

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was bedeutet für Sie Loyalität?“

Worum es bei dieser Frage eigentlich geht.

Julius Caesar hat einmal gesagt: „Ich liebe den Verrat, aber ich hasse den Verräter.“ Natürlich möchten die kleinen und großen Machthaber dieser Welt rechtzeitig etwas über mögliche Gegner, Intriganten oder Versager in den eigenen Reihen erfahren, aber der Lieferant dieser manchmal d nützlichen Informationen disqualifiziert sich aufgrund eines miesen Charakters.

Die Forderung, sich gegenüber der eigenen Organisation und dem eigenen Vorgesetzten grundsätzlich loyal zu verhalten, ist unverzichtbar. Loyalität heißt allerdings nicht, alles klaglos hinzunehmen bzw. abzunicken – vor allen dann nicht, wenn ein Fehlverhalten bzw. gar ein Gesetzesverstoß vorliegt bzw. vorliegen könnte.

Bewerber A

„Loyalität – das ist für mich Verlässlichkeit, Redlichkeit – und vor allem Integrität. Ein loyaler Mitarbeiter würde zum Beispiel niemals hinter dem Rücken seines Vorgesetzten sozusagen gegen ihn arbeiten oder hinten rum schlecht über ihn reden. Wenn einen etwas stört, muss man das im direkten Gespräch unter vier Augen ansprechen. Das ist für mich Loyalität.“

Bewertung

Diese Aussage geht völlig in Ordnung.

Bewerber B

„Wenn ein Unternehmen – hier bei der Polizei ist es letztlich der Staat – eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat, so hat nach meinem Verständnis der Beamte selbstverständlich eine Loyalitätspflicht. Dazu gehört zum Beispiel, dass man seine Aufgaben pflichtgemäß erfüllt, auch wenn man anderer Meinung ist. Und dazu gehört vor allem auch, den Arbeitgeber nicht vor anderen mies zu machen.“

Bewertung

Der Bewerber hantiert nicht mit großen Begriffen, sondern kommt „pragmatisch auf den Punkt.“ So etwas wird immer geschätzt.

Bewerber C

„Loyalität heißt für mich, dass man durchaus kritisch sein darf und sollte – aber wenn etwas entschieden ist, muss man das mittragen und darf nicht hinter dem Rücken der Vorgesetzten deren Entscheidungen unterlaufen. Die Loyalität endet allerdings da, wo der Vorgesetzte mit seinen Maßnahmen und Entscheidungen offenkundig Recht und Gesetz verletzt. Das gilt natürlich ganz besonders für die Polizei.“

Bewertung

Sehr gut.

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was verstehen Sie unter Flexibilität?“

Worum es bei dieser Frage geht.

„Sie sind flexibel und können ... .“ Der Begriff Flexibilität fehlt selten in Stellenangeboten und natürlich ist diese Eigenschaft auch bei der Polizei gefordert. Aber so mancher Bewerber beschreibt sich als flexibel, gerät aber in Schwierigkeiten, so bald gefragt wird, worin sich diese denn im Alltag des Polizisten zeige. Deshalb sollte man eine Eigenschaft nur dann für sich beanspruchen, wenn man eine Vorstellung davon hat, was sie konkret bedeutet.

Lesen Sie, wie sich die folgenden Bewerber äußern:

Bewerber A

„Wer flexibel ist, ist beweglich. Und das ist heute ganz wichtig. Man muss flexibel sein, wenn man beruflich erfolgreich sein will. Und ganz besonders natürlich bei der Polizei.“

Bewertung

Hier wird eine konkrete Antwort verweigert. Schlecht.

Bewerber B

„Ein flexibler Mensch ist nach meiner Auffassung jemand, der auf Veränderungen schnell und richtig reagiert. Wer flexibel ist, verliert nicht so schnell sein Gleichgewicht, sondern reagiert ideenreich und souverän. Aber das ist sicher immer auch eine Frage der Erfahrung und natürlich einer guten Ausbildung.“

Bewertung

Das ist eine verständliche und gute Definition.

Bewerber C

„Ich denke, dass man besonders im Vollzugsdienst bei der Polizei sehr flexibel sein muss, weil man mit den unterschiedlichsten Menschen und Situationen konfrontiert wird. Und weil sich diese Situationen blitzschnell ändern können. Konflikte können plötzlich eskalieren oder aus dem Ruder laufen und da muss sich schnell umstellen können.“

Bewertung

Eine kompetente Antwort.

Was ist ein flexibler Mensch?

Flexible Menschen

  • gewinnen schnell ihr Gleichgewicht wieder, nach dem Erwartungen erschüttert wurden.
  • bleiben physisch und emotional gesund, wenn sie mit Unsicherheiten zu kämpfen haben.
  • vermeiden Sprüche wie „Das haben wir immer so gemacht!“
  • haben immer einen „Plan B“, falls „Plan A“ nicht funktioniert – also Handlungsalternativen.
  • denken an die Neben- und Fernwirkungen ihres Handelns.
  • wissen, dass es oft nicht nur eine „Wahrheit“ gibt.

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Testen Sie Ihre Flexibilität

Ein Leitsatz der Polizei Rheinland-Pfalz lautet: „Wir sind ein modernes Dienstleistungsunternehmen. Innovation und Flexibilität zeichnen uns aus.“ Die meisten Bewerber bei der Polizei haken diese Anforderung sofort ab. „Flexibel? Klar bin ich flexibel!“ Aber was heißt das konkret im beruflichen Alltag?

Hier ein Beispiel: Im Oktober 2008 hat eine Zugbegleiterin der Deutschen Bahn ein 12-Jähriges Mädchen aus dem Zug geworfen, weil es keine gültige Fahrkarte vorweisen konnte. Das Mädchen musste fünf Kilometer mit einem Cello auf dem Rücken im Dunkeln nach Hause marschieren. Im Nachhinein hat man die sture und herzlose Zugbegleiterin vom Dienst suspendiert. Aber der Image-Schaden war damit nicht beseitigt. Flexibilität – zum Beispiel bei der Auslegung und Anwendung von Vorschriften – ist eben doch viel mehr als nur ein Wort. Flexibilität ist die Umstellfähigkeit im Kopf, das elastische Reagieren auf neue und unerwartete Anforderungen und Bewährungssituationen. Und bei der Polizei kommt es ganz besonders darauf an, die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen richtig einzuschätzen.

Aber prüfen Sie sich doch einmal selbst.

Test „Flexibilität“

 1.  Die Zeiten, in denen man einen Beruf erlernt und bis zum Renteneintritt auf immer gleiche Weise ausübt, sind vorbei.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

2.   Zu einem geglückten Lebensentwurf gehört für mich, dass man die Dinge planen kann und vor Überraschungen geschützt ist.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

3.   Wer kein Risiko eingehen will, geht oft das größte Risiko ein.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

4.   Ich muss wissen, woran ich bin und was auf mich zukommt. Alles andere bereitet mir schlaflose Nächte.

…      o stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

5.   „Unruhe im Kalender stiften!“ Diesem Grundsatz und Glücksrezept könnte ich mich anschließen.

…     0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

6.   Der permanente Wandel macht die Menschen krank.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

7.   Man muss hin und wieder den Ausbruch aus der Routine wagen und sich anderen Herausforderungen stellen.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

8.   Die Forderung nach mehr Flexibilität bedeutet nichts anderes, als dass man zur Manövriermasse der Unternehmen wird. Die
      Sachzwänge sind doch nur vorgeschoben.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

9.   Ein Berufsleben, in dem ich mich immer wieder neuen Herausforderungen stellen muss, finde ich erstrebenswert.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

10. Viele Hochschulabsolventen starten heute mit einem Zeitvertrag. Das ist doch eine Zumutung.

…      0 stimmt … 0 dazwischen … 0 stimmt nicht

Auswertung

Ungerade Testitems: „stimmt“ = 2 Punkte, „stimmt nicht“ = 0 Punkte

Gerade Testitems: „stimmt“ = 0 Punkte, „stimmt nicht“ = 2 Punkte

„dazwischen“ = 1 Punkt

Interpretation

20 – 14 Punkte

Sie wissen: Nichts ist beständiger als der Wandel. Und Sie wissen auch, dass gerade im Polizeiberuf das Abgleiten in Routine und Alltagstrott gefährlich sein kann. Sie begrüßen sich verändernde Situationen und können sich mental gut darauf einstellen.

 13 – 6 Punkte

Ihr Standpunkt: Veränderung muss sein – aber bitte nicht zuviel! Die Lust auf Neues, Unbekanntes oder gar Riskantes hält sich bei Ihnen in Grenzen, ist vorhanden.

5 – 0 Punkte

Sie lieben es, wenn die Dinge Ihren gleichmäßigen Weg gehen. Der Dienstag wird wie der Montag und der Mittwoch wie der Dienstag sein – wunderbar! Wie lautete doch die Devise der 50er Jahre? „Keine Experimente!“

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Testbuch Vorstellungsgespräche. Haufe Verlag 2009

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Können Sie sich durchsetzen?“

Worum es bei dieser Frage geht?

In Fernsehinterviews werden Menschen manchmal Begriffe mit der Bitte vorgeben, spontan zu äußern, was ihnen dazu einfällt. Das Wort „Durchsetzungsfähigkeit“ kommt bei solchen Assoziationsspielen schlecht weg. Hier einige typische Gedankenverbindungen: „Härte“, „Kälte“, „Rücksichtslosigkeit“, „Ellenbogen“, „Egoismus“, „Kapitalismus“, „Kampf“, „Aggression“, „Gewalt“. Die Eigenschaft „Durchsetzungsfähigkeit“ ist oft emotional negativ besetzt und wird von Bewerbern deshalb ungern als persönliche Stärke benannt.

Was halten Sie von den folgenden Antworten?

Bewerber A

„Natürlich kann ich mich durchsetzen. Und wenn man als Polizist eine Waffe hat, ist das ja sowieso kein Thema.“

Bewertung

Zur Erinnerung: „Django“ ist bei der Polizei nicht erwünscht. Das ist also eine schlechte Antwort.

Bewerber B

„Das kommt drauf an, worum es geht. Es gibt Situationen, da gebe ich nach, weil die Sache mir nicht wichtig ist. Aber wenn mir etwas wichtig ist oder meine Aufgabe es von mir verlangt, versuche ich meine Kontrahenten erst einmal zu gewinnen – also zu überzeugen. Mir ist natürlich klar, dass man in dem von mir angestrebten Beruf bei der Polizei ein hohes Maß an Durchsetzungsfähigkeit braucht. Und man erreicht leider nicht immer mit Worten seine Ziele.“

Bewertung

Da ist eine durchaus angemessene Antwort.

Bewerber C

„Ob ich mich durchsetzen kann? Als zukünftiger Polizeibeamter stehe ich ja für Recht und Ordnung – muss also die Einhaltung entsprechender Gesetze und Verordnungen durchsetzen. Ich bin Mannschaftssportler und habe gelernt, dass der Verstoß gegen Spielregeln ein Spiel kaputt machen kann.“

Bewertung

Das ist eine diplomatische und gute Antwort.

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Testen Sie Ihre Durchsetzungsfähigkeit!

Das Wort Durchsetzungsfähigkeit hat keinen guten Klang. Manche denken an „Härte“, „Kälte“, „Rücksichtslosigkeit“, „Ellenbogen“, „Kapitalismus“, „Aggression“ oder „Gewalt“. Das Soft Skill (!) Durchsetzungsfähigkeit ist also meist emotional negativ besetzt und wird von vielen Bewerberinnen und Bewerbern deshalb ungern als persönliche Stärke angeführt. Mit dieser Haltung empfiehlt man sich allerdings nicht für den Polizeiberuf. Polizistinnen und Polizisten müssen nicht nur kommunikativ, belastbar und selbstbewusst sein, sondern eben auch durchsetzungsfähig. Ordnungshüter, die sich im Konfliktfall unklar verhalten oder bei Gegenwind zurückweichen bzw. einknicken, werden ihrem Auftrag nicht gerecht.

Wer den Polizeitest schafft und eine Ausbildung bzw. ein Studium bei der Polizei erfolgreich absolviert, gehört zum Exekutivorgan des staatlichen Gewaltmonopols. Prüfen Sie in dem folgenden Test einmal, ob Ihnen diese Aufgabe liegen könnte.

 Test „Durchsetzungsfähigkeit“

1.   Wenn sich jemand in einer Warteschlange vordrängelt, sage ich in der Regel nichts.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

2.   Wenn ich von etwas überzeugt bin, versuche ich es umzusetzen – auch wenn es Gegenwind gibt.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

3.   Auf die Frage „Hat es Ihnen geschmeckt?“ antworte ich immer mit „Ja“ – auch wenn ich mit dem Essen nicht zufrieden war.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

4.   Es hat nichts mit Friedfertigkeit zu tun, wenn man sich von anderen übervorteilen lässt.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

5.   Für mich ist es sehr wichtig, von anderen akzeptiert zu werden.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

6.   Ich bin ein Freund der offenen Aussprache – auch wenn man dabei ’mal etwas aneckt.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

7.   Durchsetzungswille hat viel mit Egoismus zu tun und gefährdet deshalb den Zusammenhalt des Teams.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

8.   Für mich sind Menschen unglaubwürdig, die vorgeben, ihre persönlichen Ziele den gemeinsamen Zielen unterzuordnen.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        …0  stimmt nicht

9.   Das Wichtigste ist eine gute Atmosphäre im Team.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

10. Ich äußere meine Meinung auch dann, wenn ich weiß, dass ich die Mehrheit gegen mich habe.

…      0 stimmt                        … 0 dazwischen                        … 0 stimmt nicht

Auswertung

Ungerade Testitems: „stimmt“ = 0 Punkte, „stimmt nicht“ = 2 Punkte

Gerade Testitems: „stimmt“ = 2 Punkte, „stimmt nicht“ = 0 Punkte

„dazwischen“ = 1 Punkt

 Interpretation

20 – 14 Punkte

Sie verfügen über einen gesunden Durchsetzungswillen. Dabei geht es Ihnen nicht zwangsläufig darum, als Gewinner vom Feld zu gehen, sondern Dinge anzuschieben, die Sie für richtig halten. Harmonie im Team ist für Sie kein Selbstzweck – was zählt, sind die Ergebnisse. Und da kann es durchaus schon mal hart zur Sache gehen. Wenn Sie noch über eine hohe soziale Intelligenz und Empathie verfügen, könnten Sie sich im Polizeiberuf wohlfühlen.

13 – 6 Punkte

Durchsetzungswille hat für Sie etwas mit Machtansprüchen zu tun und deshalb ist Ihnen diese Eigenschaft nicht ganz geheuer. Bei Auseinandersetzungen ziehen Sie es vor, sich selbst eher „zurückzunehmen“.

5 – 0 Punkte

„Bloß keine Konflikte!“ Mit dieser Haltung gehören Sie zu den eher pflegeleichten Zeitgenossen. Mit dieser Haltung können Sie sogar Karriere machen, denn es gibt Vorgesetzte, die eine hohe Anpassungsbereitschaft schätzen und deshalb honorieren. Diese Biegsamkeit hat allerdings seinen Preis, der im Verzicht auf ein eigenes Profil bzw. einer eigenen Identität besteh. Metaphorisch spricht man davon, dass jemand kein „Rückgrat“ habe. Als Polizeivollzugbeamter würden Sie mit dieser Einstellung nicht glücklich.

Eunuchenwissen bleibt ohne Folgen!

Einer der wichtigsten Grundsätze für Erfolg und Zufriedenheit im Beruf lautet: Es reicht nicht aus, das Richtige zu wissen – man muss es auch durchsetzen können. Viele Menschen haben hervorragende Kenntnisse und die richtigen Einsichten, können diese aber in der Praxis nicht umsetzen. Man spricht hier auch vom „Eunuchenwissen“ – es bleibt ohne Folgen. Damit kann man beispielsweise im Vollzugsdienst der Polizei nur scheitern.

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Testbuch Vorstellungsgespräche. Haufe Verlag 2009

Testen Sie Ihre Interkulturelle Kompetenz

 „Interkulturelle Kompetenz“ ist eine Schlüsselkompetenz unseres Jahrhunderts. Dabei geht es um die Fähigkeit, das Verhalten und Erleben von Menschen, die in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen sind, möglichst vorurteilsfrei zu verstehen. Wer über ausgeprägte interkulturelle Kompetenzen verfügt weiß auch, wo die Fettnäpfchen im Umgang mit Angehörigen fremder Kulturen stehen. Auch ungewollt despektierliche Aussagen über andere Religionen, Essgewohnheiten oder Kleidung werden ebenso vermieden wie einschlägige „dumme Sprüche“ und vermeintlich lustige Ausländerwitze.

Bei allem Respekt gegenüber Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund lässt sich nicht leugnen, dass es insbesondere in Großstädten prekäre Wohnviertel mit einem hohen „Ausländeranteil“ gibt, die einen vergleichbar häufigen Polizeieinsatz erfordern. Deshalb suchen die Länderpolizeien zunehmend Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund bzw. gut entwickelten interkulturellen Kompetenzen. Aus diesem Grund müssen beispielsweise Bewerber für den Laufbahnabschnitt II der Polizei Hamburg (Akademie der Polizei) einen interkulturellen Wissenstest bestehen.

Testen „Interkulturelle Kompetenz“

1. Wann fand der Warschauer Aufstand statt?

…0 1914                                                                 0 1944

2. In Barcelona spricht man

…0 spanisch                                                            0 katalanisch

3. Wer viele Sprachen spricht, verfügt über hohe interkulturelle Kompetenz.

…0 stimmt                                                              0 das ist nicht zwingend

4. Wie sich Individuen unterscheiden, so unterscheiden sich auch Völker.

…0 reines Vorurteil                                                  0 in gewisser Hinsicht ja

5. Man sollte mit Angehörigen anderer Kulturkreise alles kontrovers diskutieren können.

…0 stimmt                                                              0 es kann Tabus geben

6. Interkulturelle Kompetenz zeigt sich darin, dass man die Werte und Überzeugungen anderer Völker kennt und vorbehaltlos akzeptiert.

…0 stimmt völlig                                                      0 stimmt nicht immer

7. In den USA sollte sich man als Fremder bei Gesprächen über Religion zunächst lieber heraushalten.

…0 dafür gibt es keinen Grund                                  0 stimmt

8. In der arabischen Welt kann es einem als Deutschem am ehesten passieren, dass ...

…0 Karl Marx gelobt wird                                           0 Adolf Hitler gelobt wird

9. Die Französische Revolution fand statt im Jahre

…0 1689                                                                   0 1789

10. Früher hieß es, dass die Balkanvölker „unberechenbar“ seien. Was halten Sie von dieser Feststellung.

…0 stimmt                                                                 0 das ist ein Pauschalurteil

11. Die Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo) im Jahre 1389 gegen die Türken spielt eine große Rolle im Selbstverständnis der Serben. Die Serben

0 gewannen damals grandios                                   0 verloren katastrophal

12. Sollte man sich als Gast bei Einheimischen den Essgewohnheiten anderer Ländern und Kulturen anpassen?

… 0 Ich esse nur, was mir schmeckt                        …    0 selbstverständlich

13. Ich habe bereits diverse fremde Länder bereist.

… 0 stimmt                                                                 0 stimmt nicht

14. Welche Sprache gehört zur romanischen Sprachfamilie?.

…0 Rumänisch                                                            …0 serbokroatisch

15. Ich war Austauschschüler/in.

…0 stimmt                                                                  0 stimmt nicht

16. Schengen steht für

…0 Einreise ohne Pass-Kontrolle                                   0 Zollfreiheit

17. Welche Reihenfolge von Norden Richtung Süden ist richtig?

…0 Estland, Lettland, Litauen                                    …   0 Litauen, Estland, Lettland

18. Was fand 1776 in den USA statt?

…0 Unabhängigkeitserklärung                                    …  0 Bürgerkrieg

19. Was wurde im Spiegelsaal von Versailles 1871 gegründet?

…0 das Deutsche Reich                                                …0 die 5. Republik

20. Der spanische Bürgerkrieg spielt im Bewusstsein der Spanier

…0 eine große Rolle                                                …      0 keine Rolle mehr

21. Wenn ich ein fremdes Land bereise, informiere ich mich über die

…0 Geschichte                                                            … 0 preiswerten Einkäufe

22. Völker unterscheiden sich mehr oder weniger in ihrer Mentalität.

…0 stimmt                                                                   0 das ist ein totales Vorurteil

23. Interkulturelle Kompetenz entwickelt man vor Ort am besten durch

…0 interessiertes Fragen                                               0 gutes Zuhören

24. Deutschland ist völlig überfremdet.

…0 stimmt nicht                                                           0 stimmt

Auswertung

Bei den Testitems 1 – 12 gibt es für jedes (b) einen Punkt und bei den Testitems 13 – 24 für jedes (a) einen Punkt.

Interpretation

24 – 16 Punkte

Interesse an anderen Menschen zeigt sich darin, dass man etwas über sie weiß bzw. sich etwas aus früheren Kontakten gemerkt hat. Und das gilt auch für Völker und Kulturen. Die Gretchenfrage lautet: Hat sich jemand die Mühe gemacht, unser Denken und Fühlen zu verstehen? Sie gehören zu jenen, die dies tun und deshalb finden Sie einen mentalen Zugang zu Angehörigen fremder Kulturen. Und das ist nicht nur im Polizeiberuf wichtig.

15 – 8 Punkte

Hier gibt es noch Nachholbedarf, aber gute erste Ansätze. Natürlich ist dies alles ja auch eine Frage des Alters und der bisherigen Erfahrungen – und des Lernens.

7 – 0 Punkte

Rote Laterne!

Quelle:

Claus Peter Müller-Thurau: Testbuch Vorstellungsgespräche. Haufe Verlag 2009

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?“

Worum es bei dieser Frage geht

Viele Bewerber verzichten darauf, Hobbys oder privaten Interessen im tabellarischen Lebenslauf anzugeben. Oft hört man als Begründung, dies sei nicht mehr üblich. Dabei sind doch die privaten Aspekte einer Person nicht unwichtig. Es werden schließlich keine Personalnummern bzw. Funktionsträger auf zwei Beinen gesucht. Auch nicht bei der Polizei.

Niemand gibt beim Betreten seiner Dienststelle seine persönlichen Interessen, Hoffnungen und Sehnsüchte beim Pförtner ab. Ein begeisterter Marathonläufer oder Schwimmer bleibt auch an seinem Arbeitsplatz ein begeisterter Marathonläufer bzw. Schwimmer und wenn er Kollegen hat, die sein Hobby mit ihm teilen – prima.

Und natürlich sagt die Freizeitgestaltung etwas darüber aus, wie sich jemand zum Beispiel neue Energiequellen erschließt. Ob Faustballverein oder Schachclub – durch solche Aktivitäten kann man den Kopf wieder frei bekommen. Vorsichtige Rückschlüsse auf die Persönlichkeit sind auch möglich, wenn jemand die Freizeit gemeinsam mit anderen gestaltet oder lieber für sich allein bleibt. Mannschaftssport oder Mineralien sammeln? Orchestermusik oder allein am Klavier? Sage mir, was Du in deiner Freizeit machst und ich sage Dir, wer Du bist.

Bewerber A

„In meiner Freizeit lese ich viel.“

Bewertung

Es schon erstaunlich, wie viel Bewerber auf die Frage „Was lesen Sie denn so?“ mit „Alles mögliche“ oder „Bücher“ reagieren. Das gibt einen Minuspunkt. Wer Lesen als Hobby angibt, sollte mindestens Titel parat haben, mit denen man sich kürzlich befasst hat.

Bewerber B

„Wie Sie meinen Unterlagen sicher entnommen haben, fahre ich gern Ski. Der Kampf mit dem Hang und seinen Unebenheiten ist für mich eine tolle Herausforderdung und hält körperlich und mental fit.“

Bewertung

Das kommt natürlich nicht nur bei Skifahrern gut an.

Bewerber C

„Ich treibe viel Sport – am liebsten Mannschaftssport. Ab und zu mache ich aber auch einen längeren Waldlauf für mich allein – da kann ich prima abschalten.“

Bewertung

Solch eine Antwort lässt vermuten, dass man es mit einem Teamplayer zu tun hat, der aber nicht ständig andere um sich haben muss.

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

 

Mit dieser Frage müssen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Polizei rechnen: „Welche Fragen haben Sie denn noch?“

Worum es bei dieser Frage geht

Unterschätzen Sie diese Aufforderung nicht – das ist die Fortsetzung der Eignungsdiagnostik mit anderen Mitteln. Natürlich haben Sie jetzt die Chance, weitere Information für Ihre Entscheidung zu bekommen – für einen kompetenten Interviewpartner sagt aber jede von Ihnen gestellte Frage vor allem etwas über Sie selbst und Ihre Qualifikation aus.

Es heißt, dass es keine dummen Fragen gäbe. Doch – es gibt sie. Im Vorstellungsinterview ist diese alte Regel außer Kraft gesetzt.

Durch Fragen zeigen Bewerber der Auswahlkommission,

  • was ihnen wichtig bzw. weniger wichtig ist,
  • ob sie eine gewisse Vorstellung hinsichtlich dessen haben, was auf sie im Polizeiberuf bzw. in der Ausbildung zum Polizisten zukommt,
  • ob sie gut vorbereitet sind,
  • ob sie zuhören können und
  • ob sie wirklich an der Aufgabe bzw. Ausbildung bei der Polizei interessiert sind.

Nun versetzen Sie sich einmal in die Rolle der Auswahlkommission. Welche Fragen von Bewerbern kommen wohl gut, welche weniger gut an?

Bewerber A

„Wie häufig kommt man bei der Bereitschaftspolizei am Wochenende zum Einsatz?“

Bewertung

Diese Frage ist berechtigt, sollte aber niemals als erste gestellt werden. Das klingt nach einer freizeit-orientierten Schonhaltung und die ist im Interesse der Bürger im Polizeiberuf nicht gefragt.

Bewerber B

„Wie groß ist das Risiko, als Polizist wegen des Gebrauchs der Schusswaffe selbst vor Gericht zu landen?“

Bewertung

Dies ist die größte Sorge eines jeden Polizeichefs und Innenministers – dass nämlich ein Polizist voreilig bzw. unüberlegt von der Schusswaffe Gebrauch macht. Wer im Vorstellungsinterview bei der Polizei diesen Verdacht nährt, ist aus dem Rennen. Die Frage in diesem Beispiel problematisiert ein wesentliches Problem im Polizeiberuf und ist deshalb eine gute Frage.

 Bewerber C

„Ein Polizist muss ja sportlich fit sein und bleiben. Welche Angebote und Programme gibt es nach der Ausbildung bzw. dem Studium an der Polizeiakademie, um sich fit zu halten?“

Bewertung

Eine sehr gute und vorausschauende Frage.

Bewerber D

„Auf Ihrer Homepage habe ich gelesen, dass Sie bei der Polizei ein Mentoringprogramm anbieten. Unter welchen Voraussetzungen kann man in dieses Programm aufgenommen werden?“

Bewertung

Das ist eine konkrete und gute Frage.

Bewerber E

„Ich bin begeisterter Hobby-Fotograf. Auf Ihrer Homepage habe ich gelesen, dass es bei der Polizei eine Verwendung als Foto- und Videofachmann gibt. Wie kann man in diese Verwendung gelangen?“

Bewertung

Das ist ebenfalls eine prima Frage, die zeigt, dass sich der Bewerber gut vorbereitet hat.

Bewerber F

„Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es bei der Polizei?“

Bewertung

Diese Frage ist im Vorstellungsgespräch schlecht, denn die Antworten findet man auf der Homepage der Länderpolizeien.

Bewerber G

„Sie haben vorhin gesagt, dass die Polizei der Länder unter bestimmten Bedingungen auch Tätigkeiten im Ausland übernimmt. Das würde mich schon interessieren. Welche Voraussetzungen muss man dafür erfüllen?“

Bewertung

Eine konkrete und bei Interesse berechtigte Frage. 

Fragen, die sich auf früher Gesagtes eines Interviewers beziehen, kommen besonders gut an. Sie zeigen, dass

  • der Bewerber ein guter Zuhörer ist,
  • sich etwas merken kann,
  • keine zu Hause vorbereiteten Fragen aufsagt und
  • seinen Gesprächspartner in die Fragestellung mit einbezieht.

„Sie haben eingangs gesagt, dass ...“ – so zeigt sich soziale Kompetenz.

Praxistipp

Stellen Sie offene Fragen! Offene Fragen sind die sogenannten W-Fragen, auf die man kein Ja oder nein erhält, sondern zusätzliche Informationen. Die Bewerber in den obigen Beispielen haben solche W-Fragen gestellt.

Auch in der Forensik, einem wichtigen Aufgabengebiet der Polizei, in dem es um die systematische Identifizierung, Analyse und Rekonstruktion krimineller Handlungen geht, ist die Anwendung offener Fragen unverzichtbar. Die forensische Interviewtechnik lautet:

„WER hat WAS WO WANN getan, WIE, WOMIT und WARUM?“

Quelle

Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Fortsetzung folgt.

 

 

 
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