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Experteninterviews zum Auswahlverfahren und Eignungstest bei der Polizei

Interview mit Oliver Merz, Leiter Prüfungsamt der Bayerischen Polizei

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Müller-Thurau

Herr Merz – auf ihrer Visitenkarte steht „Die Bayerische Polizei – Garant für Ihre Sicherheit.“ Welchen Beitrag leisten Sie als Leiter des Prüfungsamtes der Bayerischen Polizei für die Sicherheit des Landes?

Oliver Merz

Ich gewährleiste mit meinen Mitarbeitern im Prüfungsamt und in den Prüfungsstellen in München und Nürnberg, dass wir im Interesse der Sicherheit unseres Landes die Bewerberinnen und Bewerber für diese verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe auswählen, die für diese Tätigkeit am besten geeignet sind. Dies erfüllen wir mit unserem professionellen Team im Rahmen des standardisierten 2-tägigen Bewerberauswahlverfahrens.

Müller-Thurau

Ihr Amt prüft ja letztlich, ob Bewerberinnen und Bewerber geeignet sein könnten, nach der Ausbildung zum mittleren bzw. gehobenen Polizeivollzugsdienst rechtmäßig Gewalt auszuüben. Welche persönlichen Eigenschaften müssen Interessenten mitbringen, um den Polizeiberuf in Bayern verantwortungsvoll wahrnehmen zu können?

Oliver Merz

Unsere künftigen Kolleginnen und Kollegen müssen teamfähig und aufgeschlossen sein, Spaß im Umgang mit Menschen haben, eine gute Auffassungsgabe besitzen und psychisch stabil sein. Des weiteren erfordert der Polizeiberuf ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und sozialer Kompetenz sowie Stressstabilität. 

Müller-Thurau

Sie müssen im Interesse der Bevölkerung natürlich dafür sorgen, dass nur geeignete Kandidaten einen Ausbildungsplatz erhalten. Welchen Tipp geben Sie hoch motivierten Bewerberinnen und Bewerbern in Sachen Vorbereitung auf das Einstellungsverfahren?

Oliver Merz

Wie bei jedem anderen Beruf auch, ist es ratsam, sich mit dem Berufsbild und möglichen Tätigkeiten vorab zu beschäftigen.

Interview mit Polizeihauptkommissar und Ausbildungsleiter Rainer Klement Polizei Hamburg

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Müller-Thurau

„Herr Klement, – Sie bieten hier an der Hochschule der Polizei Hamburg einen Studiengang Polizei an, der Polizeibeamte auf den gehobenen Dienst vorbereitet. Parallel dazu gibt es – unter demselben Dach –  einen Studiengang Sicherheitsmanagement für Fach- und Führungskräfte des privaten Sicherheitsgewerbes. Das ist, glaube ich, einmalig in Deutschland. Aber was ist daran das Besondere – welche Idee steckt hinter dieser ungewöhnlichen Kombination?“

Rainer Klement

„Bundesweit einzigartig ist die Tatsache, dass wir angehenden Polizeibeamten und
zukünftigen Sicherheitsmanagern im Rahmen ihres Bachelor-Studiums ein gemeinsames Grundstudium anbieten. In den ersten acht Monaten sitzen die Studierenden also Seite an Seite im Hörsaal und besuchen Vorlesungen, die für beide Berufsfelder gleichermaßen wichtig sind. Dabei geht es in erster Linie darum, voneinander zu lernen, um das jeweils andere Berufsfeld besser zu verstehen. Außerdem liegen die Hörsäle und das Polizeipräsidium bei uns in Hamburg außergewöhnlich dicht beieinander, was nicht nur der internen Kommunikation, sondern auch den Studieninhalten zugute kommt. So treffen unsere Studierenden regelmäßig Profis der Polizei, die in Sondervorlesungen von ihrer konkreten Arbeit erzählen. Im unserem gemeinsamen Grundstudium haben wir somit die engste Ausbildungskooperation, die man sich vorstellen kann.“

Müller-Thurau

„Und wer hat beim Studium eine Uniform an?“

Rainer Klement

„Im Grundstudium niemand, weil die Studierenden dann noch keine Beamten sind. Die Hamburger Polizei stellt sie erst nach acht Monaten bei entsprechenden Leistungen ein. Und Sicherheitsmanager sind von Natur aus erst einmal keine Uniformträger.

Müller-Thurau

„Wieso reicht es offenbar nicht mehr aus, dass die Polizei alle sicherheitsrelevanten Aufgaben übernimmt? Warum bietet Ihre Hochschule zusätzlich den Studiengang Sicherheitsmanagement an?“

Rainer Klement

„Das Gewaltmonopol des Staates ist selbstverständlich unantastbar. Trotzdem verlagern sich einzelne Aufgaben allmählich auch in den zivilen Bereich. Das heißt, dass die Anforderungen an private Sicherheitsdienstleister im so genannten kooperativen Gewährleistungsstaat qualitativ und quantitativ stetig zunehmen. Beispielsweise wenn es um sicherheitsrelevante Maßnahmen auf Bahnhöfen und an Flughäfen geht, aber auch bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen und Konzerten. In diesen Fällen arbeitet die Polizei immer häufiger mit privaten Sicherheitsdienstleistern zusammen. Was die Gründung unserer Hochschule betrifft, ist die Hamburger Polizei so mutig gewesen, einen Schritt auf die Sicherheitswirtschaft zuzugehen und mit ihr auf Augenhöhe über eine mögliche Aufgabenteilung zu diskutieren. Dieses zukunftsweisende Modell für eine gute Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit ist meiner Meinung nach äußerst zeitgemäß und ein hervorragendes Beispiel für den Begriff Public-Private-Partnership.“

Müller-Thurau

„Darf ich noch einmal auf die Ausbildungsinhalte zurückkommen? Sie betonten zu Beginn des Interviews ausdrücklich die Praxisnähe des Studiums. Wie kann sich ein Interessent diese Praxisnähe vorstellen?“

Rainer Klement

„Wir bieten beiden Gruppen einen dualen Studiengang an – das heißt, der wissenschaftliche Anspruch der Ausbildung ist eng mit praktischen Anteilen verknüpft. Zweimal sechs Monate, also insgesamt ein Drittel ihres dreijährigen Bachelor-Studiums, absolvieren die Studierenden in einem Unternehmen vor Ort bzw. in verschiedenen Dienststellen der Hamburger Polizei. Auch Auslandspraktika sind möglich. Eine unserer Studentinnen arbeitet beispielsweise ein halbes Jahr lang im Bereich Luftsicherheit am Flughafen in Istanbul. Damit haben wir ein Spitzenangebot insbesondere für die Studierenden im Bereich Sicherheitsmanagement konzipiert. Denn als Polizeibeamter und Ausbildungsleiter stehe ich an unserer Hochschule für die konsequente Verzahnung von Theorie und Praxis. Die Studierenden absolvieren ihre Praktika übrigens in Vollzeit – sie haben also eine 40-Stunden-Woche. Durch diese Praxisnähe haben wir zudem eine starke Bindung an die künftigen Arbeitgeber unserer Absolventen – sowohl bei der Polizei als auch im privaten Sicherheitsgewerbe. Unsere Studierenden erwerben damit Qualifikationen, die sich stark am Bedarf des Arbeitsmarkts orientieren.“

Müller-Thurau

„Es gibt im Curriculum der Hochschule das Modul „Polizei im internationalen Kontext“. Nun ist ja die Polizei – wenn man hier einmal die Bundespolizei außen vor lässt – Ländersache und es gibt diverse Länder wie Hamburg, die gar keine ausländischen Nachbarn haben. Welche Idee steckt hinter dieser Internationalisierung der Ausbildung?“

Rainer Klement

„Wir haben überall einen Trend zur Internationalisierung. Auch die polizeiliche Zusammenarbeit auf internationaler Ebene wird immer umfangreicher. Man denke nur an Europol, Frontex, Interpol und viele andere Organisationen, die im gemeinsamen Kampf gegen die Kriminalität auf internationaler Führungsebene miteinander kooperieren. Außerdem arbeitet die deutsche Polizei zunehmend in Ländern, in denen es zurzeit keine funktionierende Polizei gibt (z.B. Kosovo, Afghanistan), um dort den Frieden zu sichern. Internationales Recht wird übrigens auch im nationalen Bereich immer häufiger konkret umgesetzt, beispielsweise, wenn es um internationale Haftbefehle geht. Auch die uniformierte Polizei arbeitet europaweit immer öfter zusammen. Nehmen wir einmal eine Fußballeuropameisterschaft: Wie viele Menschen aus welchen Nationalitäten werden wie und wohin kommen? Das soll ja alles reibungslos laufen. Und was unsere künftigen Absolventen im Studiengang Sicherheitsmanagement betrifft: Auch die werden teilweise auch in weltweit agierenden Konzernen tätig sein. Wegen dieser Vielzahl an globalen Vernetzungen ist es für unsere Studierenden sehr wichtig, ihre Arbeit auch im internationalen Kontext zu verstehen. Deshalb tauschen sie ihre Erfahrungen vor Ort mit anderen europäischen Hochschulen aus, indem sie an den Exkursionen unserer Hochschule teilnehmen. Darüber hinaus plant das Akademische Auslandsamt entsprechende Auslandssemester in beiden Studiengängen im Erasmus-Programm der Europäischen Union.“

Müller-Thurau

„Werden an Ihrer Hochschule denn auch Fähigkeiten wie interkulturelle Kompetenzen vermittelt?“

Rainer Klement

„Im Mai 2009 haben wir mit neun weiteren Hochschulen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden eine internationale Kommunikationsplattform (www.conris.eu) für akkreditierte Sicherheitsstudiengänge gegründet. Mit diesem neuen Netzwerk namens CONRIS (Cooperation Network for Risk, Safety and Security Studies) möchte unsere Hochschule nicht nur interkulturelle Kompetenzen vermitteln, indem sie gemeinsam mit den anderen Hochschulen europaweit hochprofessionelle akademische Ausbildungsstandards im Bereich der privaten Sicherheit setzt und mit den Unternehmen der jeweiligen Staaten stärker kooperiert.“

Müller-Thurau
„Sie haben mir ein schönes Stichwort geliefert. Im Deutschen sprechen wir von Sicherheit – im angloamerikanischen Raum wird zwischen Safety und Security unterschieden. Sie nehmen ja an der Hochschule der Polizei Hamburg diese sprachliche Differenzierung auch vor. Wie drückt sich das in den Studieninhalten aus?“

Rainer Klement

„Wir unterschieden an unserer Hochschule in der Tat zwischen den beiden Begriffen Security und Safety, die aus der freien Wirtschaft stammen. Beim dem Begriff Safety geht es um einen Zustand, er umfasst den Schutz eines Objekts mit bestimmten Gegenständen und technischen Geräten. Ein Firmengelände kann man beispielsweise absichern, indem man das Gebiet einzäunt und Sicherheitskameras installiert. Auch wenn wir beide Begriffe in unsere Module integriert haben, liegt der Studienschwerpunkt an unserer Hochschule eindeutig im Bereich Security. Unsere zukünftigen Sicherheitsmanager lernen nämlich vor allem, qualifiziertes Security-Personal gezielt einzusetzen, um ein Unternehmen erfolgreich vor Gefahren und Schadensereignissen zu schützen.“

Müller-Thurau

An Ihrer Hochschule gibt es das Modul „Risiko- und Katastrophenmanagement“. Was kann der erfolgreiche Absolvent der Hochschule der Polizei Hamburg, was die Spezialisten vom Technischen Hilfswerk, der Polizei oder der Feuerwehr nicht können?“

Rainer Klement

„Sicherheitsmanager haben in Krisensituationen zwangsläufig eine andere Sichtweise als Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk. Denn sie erfüllen keine hoheitlichen Aufgaben, das heißt, sie sind nicht für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig. Stattdessen stehen aus ihrer Sicht immer die Interessen des Unternehmens im Vordergrund, für das sie arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, Risiken zu erkennen und zu verhindern bzw. den Schaden einzudämmen. Wenn in einem Unternehmen beispielsweise ein Brand ausbricht, informiert man natürlich zuerst Polizei und Feuerwehr. Bis diese eintreffen, leisten Sicherheitsmanager die Vorarbeit, indem sie bereits erste wertvolle Maßnahmen einleiten. Da sie die internen Abläufe und räumlichen Gegebenheiten sehr gut kennen, sind sie vor Ort die wichtigsten Ansprechpartner für Polizei und Feuerwehr. Sobald keine akute Gefahr mehr für die öffentliche Sicherheit besteht, weil der Brand gelöscht und alle Spuren gesichert sind, geht es darum, den Sach- und Imageschaden zu analysieren. Um entsprechende Konzepte entwickeln zu können, brauchen Sicherheitsmanager zusätzlich zu ihrem Fachwissen fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die sie ebenfalls an unserer Hochschule erwerben können.“

Müller-Thurau

„Nun haben junge Frauen und Männer dieses Interview so weit verfolgt und sagen sich „Mensch – das könnte etwas für mich sein!“. Welche Hürden sind denn zu überwinden, um hier an der Hochschule starten zu können?“

Rainer Klement

„Nach wie vor ist es so, dass die Hamburger Polizei ihre Polizeibeamten einstellt. Wir sagen, wie viele Plätze wir zur Verfügung stellen können und das Personalauswahl-Center der Polizei übernimmt dann für uns das Auswahlverfahren. Da finden dann ein Sporttest und diverse andere schriftliche Tests statt - und natürlich eine Gesundheitsprüfung. Im abschließenden Auswahlgespräch hat die Hochschule dann den Vorsitz. Wer alle Tests bestanden hat, hat seinen Studienplatz allerdings noch nicht sicher, denn es gibt eine bedarfsorientierte Bestenauslese. Wenn maximal 56 Studienplätze zu vergeben sind und ein Bewerber landet mit seiner Punktezahl auf dem unglücklichen 57. Platz, kann er leider nicht berücksichtigt werden. Im Studiengang Sicherheitsmanagement müssen die Studierenden zurzeit 490 Euro Gebühren im Monat bezahlen, und zwar bis zum Bachelor-Abschluss. Sie können ihr Studium jedoch auch über ein Stipendium finanzieren. Entweder direkt über einzelne Unternehmen oder über Begabtenförderungswerke und private Stiftungen. Genaue Informationen dazu veröffentlichen wir jedes Semester aktuell in unserem Studienführer.“

Müller-Thurau

„Die letzte Hürde, um angenommen zu werden, stellt die Hochschule der Polizei auf – in Form eines Vorstellungsgesprächs. Welche Verhaltensmuster bzw. Eigenschaften schätzen Sie bei Bewerbern in diesem Interview?“

Rainer Klement

„Drei Eigenschaften bestimmen die Qualität eines erfolgreichen Polizeibeamten – und das gilt auch für zukünftige Fach- und Führungskräfte im privaten Sicherheitsgewerbe: Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz.“

Müller-Thurau

„Was verbirgt sich hinter dem Begriff Sozialkompetenz?“

Rainer Klement

„Wir brauchen Nachwuchskräfte, die kooperativ eingestellt und damit teamfähig sind. Und selbstverständlich müssen unsere Studierenden durchsetzungsfähig sein. Aber wir wünschen uns auch ein gehöriges Maß an Einfühlungsvermögen – insbesondere auch in den Bereichen Prävention und Opferschutz.“

Müller-Thurau

„Wozu brauchen Polizeibeamte oder Sicherheitsmanager denn Einfühlungsvermögen, wenn sie bewaffnet oder zumindest kräftig gebaut sind?“

Rainer Klement

„Es geht um die Fähigkeit und Bereitschaft, sich mit anderen verantwortungsbewusst auseinander zu setzen – sich also gruppen- und beziehungsorientiert zu verhalten. Man braucht viel Einfühlungsvermögen, um Konflikte zu regulieren und unnötige Eskalationen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang ist natürlich eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit unverzichtbar. Wir bieten deshalb unter anderem auch Rhetorikseminare an. Unser berufliches Selbstverständnis lässt sich schließlich mit einem Satz auf den Punkt bringen: Unsere Waffe ist das Wort!“

Müller-Thurau

„Vielen Dank für das Interview.“

12. August 2009

Aus einem Gespräch mit dem Einstellungsberater und Kommissar Jens Heidenfeldt Polizei Thüringen

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

Müller-Thurau

"Worin besteht der Unterschied zwischen MEK und SEK?"

Jens Heidenfeldt

„Das MEK findet die einzutretende Tür und das SEK tritt sie dann ein. In der Regel sind aber die Beamten von MEK und SEK fähig, beide Lagen zu bewältigen."

Tipp von Prof. Dr. Reimer Eggers, Dekan an der Akademie der Polizei Hamburg

Quelle
Claus Peter Müller-Thurau: Erfolgreich bewerben bei Polizei, Bundeswehr und Zoll. Haufe Verlag, 2. Auflage 2014

"Sie brauchen keine Angst vor unfairen Psycho-Fragen zuhaben - die sind bei uns nämlich verboten."

 

 
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