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FAQ

Warum haben Polizeibeamte eine besondere Loyalitätspflicht gegenüber ihrem Dienstherrn und der Verfassung?

Weil Polizisten, Soldaten und Zöllner die einzigen im Lande sind, die im Rahmen ihres Auftrags, der Gesetze und der Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit Gewalt ausüben dürfen. Dies wird symbolisch beim Amtsantritt durch einen Dienst- bzw. Amtseid zum Ausdruck gebracht.

Für Bundesbeamte lautet beispielsweise die Eidesformel wie folgt:

"Ich schwöre, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und alle in der Bundesrepublik geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe."

Der Eid kann auch ohne die religiöse Beteuerung geleistet werden (§ 58 Abs. 2 BBG).

Staat und Gesellschaft wünschen sich aus guten Gründen in diesen Funktionen Menschen, denen klar ist, auf welche Aufgaben und Anforderungen sie sich mit ihrer Berufswahl einlassen und die das Zeug haben, diese zu erfüllen.

Welche Vorteile sind mit einer Anstellung beim Staat verbunden?

  • Sicherheit des Arbeitsplatzes. Dies ist in Zeiten der Globalisierung und häufiger Konjunkturschwankungen ein großer Vorteil. In diesem Sinne kennt ein Beamter nicht die Sorgen, die viele Arbeitnehmer in der Wirtschaft umtreiben.
  • Bundes- und Landesbesoldungsgesetzte regeln die Einkommensentwicklung. Das gibt dem Beamten und seiner Familie eine komfortable persönliche Planungssicherheit in finanziellen Angelegenheiten.
  • Sonstige Vorteile des Beamtenstatus. Hier sind insbesondere die Beihilfe zu den Krankheitskosten und Pensionsansprüche ohne Einzahlungen in eine Rentenversicherung anzuführen. Einen Vorteil bringt auch die besondere Kreditwürdigkeit des Beamten.

Welches sind die Nachteile einer Anstellung beim Staat?

  • Abhängigkeit von einem Arbeitgeber. Die in der Wirtschaft übliche Freiheit, den Arbeitgeber zu wechseln, ist kaum gegeben. Und wer vom Staat unvorteilhafte Beurteilungen erhält, kann seine beruflichen Ambitionen schnell vergessen.
  • Aufgrund der Spezialisierung ist der Wechsel in ein anderes Berufsfeld schwierig. Wer nach einer gewissen Zeit feststellen muss, dass er sich für eine den persönlichen Neigungen nicht entsprechenden Weg entschieden hat, bekommt ein Problem.
  • Die Karriereentwicklung ist von der Zahl der Planstellen abhängig. Wenn alle höherwertigen Planstellen besetzt sind bzw. ein Beförderungsstopp besteht, kann man auch bei überdurchschnittlichen Leistungen beruflich nicht aufsteigen.

Wer ist eigentlich der oberste Dienstherr der Polizei?

Der Landesinnenminister bzw. der Innensenator.

Wofür ist eigentlich die Vollzugspolizei zuständig?

Die Vollzugspolizei ist der Teil der Polizei, der den Hauptteil der Gefahrenabwehr vornimmt. Das sind vor allem die

  • Schutzpolizei (SchuPo),
  • Kriminalpolizei (KriPo),
  • Bereitschaftspolizei (BePo)
  • Wasserschutzpolizei (WaPo).

Wofür ist die Bereitschaftspolizei zuständig?

Die Bereitschaftspolizei (BePo) unterstützt den polizeilichen Einzeldienst unter anderem bei Naturkatastrophen und dem Objektschutz. Unterstützend wirkt die Bereitschaftspolizei  aus gegebenem Anlass auch bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen, Konzerten und Demonstrationen mit.

Wofür ist die Kriminalpolizei zuständig?

Die Kriminalpolizei ist auf die Prävention und Verfolgung von Verbrechen und Vergehen spezialisiert. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Kriminalpolizei also jener Teil der Polizei, der sich ausschließlich mit der Verfolgung von Straftaten und ihrer Verhütung befasst. Ihre Angehörigen versehen ihren Dienst in Zivilkleidung.

Woher kommt eigentlich die Bezeichnung „Bulle“ für Polizisten?

Das bekannte Schmähwort für Polizisten stammt ursprünglich aus dem niederländischen „Bol“, was soviel wie „Kopf“, „kluger Mensch“ bedeutet.

Was bedeutet im Auswahlverfahren bei der Polizei das „Gebot der Bestenauslese“?

In Artikel 33 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG) heißt es: „Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.“ 

Dieser als „Bestenauslese“ bezeichnete Grundsatz ist verbindlich für sämtliche Eignungsauswahlverfahren im öffentlichen Dienst. Im Beamtenrecht (Bundesbeamtengesetz und den Landesbeamtengesetzen) heißt es ergänzend, dass die Auslese der Bewerber/innen nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung ohne Rücksicht auf Geschlecht, Abstammung, Rasse, Glauben, religiöse oder politische Anschauungen, Herkunft oder Beziehungen vorzunehmen ist.



Die Bestenauslese verbietet im öffentlichen Dienst sowohl bei Tarifangestellten als auch bei Beamten

  • Ämterpatronage,
  • Regionalproporz und
  • Parteibuchkarrieren.

Die Bestenauslese ist auch bei der Beförderung, der Übertragung höherwertiger Aufgaben und dem Aufstieg in eine höherwertige Laufbahngruppe zu beachten.



Welche persönlichen Eigenschaften sind im Beruf des Polizisten besonders wichtig?

Der Polizeiberuf fordert die folgenden Eigenschaften in besonders hohem Ausmaß: Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Teamfähigkeit und Identifikation mit den gesetzlichen und gesellschaftlichen Regeln unseres Landes.

Ein konkretes Beispiel: Die Entscheidung, unter Berücksichtigung der Umstände, der Verhältnismäßigkeit und der einschlägigen Gesetze von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, stellt hohe Anforderungen an die Persönlichkeit des Polizeibeamten.

Was ist der Wiener Test?

Mit diesem berühmt-berüchtigten Auswahlverfahren bei der Polizei werden erfasst:

  • Reaktionsgeschwindigkeit,
  • Aufmerksamkeit und
  • Konzentrationsfähigkeit.

Der „Wiener Test“ ist ein PC-Test, bei dem man einen Kopfhörer trägt und als Reaktion auf Fragen bzw. Anforderungen jeweils Pedale und Tasten bedienen muss. Typische Aufgaben/Anforderungen sind u. a. :

  • Bilder in schnellen Abläufen beurteilen und sich Details einprägen,
  • Sachverhalte (z. B. eine Verkehrssituation) beurteilen,
  • Linien verfolgen,
  • Aufgaben rechnen,
  • Tatsachen von Meinungen unterscheiden,
  • polizeiliche Situationen beurteilen,
  • Personen-Informationen Steckbriefen zuordnen,
  • Statistiken beurteilen,
  • Inhalte von Texten merken und
  • fehlerhafte Texte korrigieren (neue Rechtschreibung!).

Klar, dass bei solch einem Test das Tempo eine große Rolle spielt – man muss also schnell und fehlerfrei arbeiten, wenn man als Bewerber erfolgreich sein will.

Worauf kommt es bei der Sportprüfung ganz besonders an?

Ausdauer und allgemeine Fitness.

Was ist der Cooper-Test?

Der nach dem amerikanischen Sportmediziner Kenneth H. Cooper benannte und insbesondere bei der Polizei anerkannte Test dient der Überprüfung der Ausdauer bzw. Belastbarkeit von Bewerbern. Es handelt sich um einen Lauf mit einer Dauer von 12 Minuten, bei dem die in dieser Zeit maximal zurückgelegte Strecke ermittelt wird. Die Herausforderung besteht darin, dass die zu bewältigende Strecke zwischen einer reinen Mittel- und einer Langstrecke liegt – man muss sich also sehr gut einschätzen, um nicht zu früh Laktat (Salz der Milchsäure) aufzustauen, aber eben auch nicht zu langsam zu laufen.

Und welche Funktion hat das Laktat? Wenn während einer starken Ausdauerbelastung der über die Atmung aufgenommene Sauerstoff nicht ausreicht, um den im Muskel benötigten Energiebedarf zu decken, entsteht das saure Stoffwechselprodukt Laktat, das als bester Indikator für die Beurteilung des Ausdauerleistungsfähigkeit gilt. Bewerber/innen bei der Polizei Hamburg beispielsweise müssen diesen Test bestehen.

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Wendelauf und dem Pendellauf bei der Sportprüfung der Polizei?

Beim Wendelauf muss man vor einer Markierung stark abbremsen und nach der Umrundung dieser Markierung wieder stark beschleunigen. Beim Pendellauf muss man an dieser Markierung stoppen, kurz den Boden berühren und dann so schnell wie möglich zum Startpunkt zurückkehren. Dieses natürlich mehrmals.

Dürfen Bewerber/innen bei der Polizei einen Migrationshintergrund haben?

Selbstverständlich und in vielen Bundesländern wird um Bewerber/innen mit Migrationshintergrund besonders geworben.

Wie läuft ein strukturiertes Interview ab?

Bewerber bei der Polizeiakademie Niedersachsen müssen sich in einem strukturierten Interview bewähren. Den Ablauf kann  man sich folgendermaßen vorstellen:

Mit einer Selbstvorstellung des Bewerbers geht es los. Während dieser Startphase des Interviews gibt es seitens der Polizeikommission bereits Nachfragen beispielsweise zum Lebensweg und Berufswunsch. Danach werden von den Interviewern Besonderheiten in der Biografie thematisiert. Hier gilt es möglichst konkret und anhand von Beispielen aus dem persönlichen Leben zu antworten. Eine typische Frage zur Biografie wäre: „Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamwork gemacht?“ Hier muss man einige gute Beispiele parat haben, denn Teamwork ist im Polizeiberuf unverzichtbar.

Neben den sogenannten biografischen Fragen werden situative Fragen gestellt. Etwa: „Stellen Sie sich vor, Sie sind Polizist bzw. Polizistin und es passiert folgendes: ... . Bitte beschreiben Sie Ihr Verhalten möglichst in allen Einzelheiten.“

Und dies sind die Grundsätze eines strukturierten Interviews, an die sich alle Interviewer zu halten haben:

  • Die Fragen gründen auf einer Arbeitsanalyse des Polizeiberufs.
  • Jedem Bewerber werden die gleichen Fragen gestellt.
  • Hilfestellungen beim Beantworten der Fragen wird vermieden.
  • Situative Fragen stellen. („Was tun Sie, wenn ...?“)
  • Fragen auf vergangenes Verhalten beziehen. („Was haben Sie im letzten Jahr genau getan, um ...?“).
  • Den Bewerber erst fragen lassen, wenn das Interview beendet ist.

Die Befürworter strukturierter Interviews bei der Polizei nennen als Vorteil zum unstrukturierten Interview die bessere Vergleichbarkeit der Vorstellungsgespräche. Ein Nachteil besteht sicher darin, dass man in der Gesprächsführung weniger flexibel ist und man über einen Bewerber manchmal mehr erfährt, wenn man das Gespräch auch einmal "laufen" lässt.

 
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